Hervorgehoben

Das gute Leben

###Von: LuckyMe

Foto: J. Cammert

Der Text „Mit Herz und Verstand eine Kultur erschaffen, die dem Leben dient“ hat mich mitgenommen auf eine Seelenreise der Vernunft. Er spricht eine schöne Sprache der Herzens-Vernunft. Das mag seltsam klingen, aber ich finde es durchaus vernünftig, mich in einer liebenden Verbindung einzufinden – zu allem was lebt und fühlt. Ich glaube letztlich, dass für die Seele kein Widerspruch besteht zwischen Liebe und Vernunft. Werden sie getrennt, verkümmert die Seele – und mit ihr das Land, das Leben, die Erde – mit all unseren Verwandten.

Es ist also in jedem Fall vernünftig, den Wandel zu begrüßen – wie die Autorin schreibt – den Ursachen auf den Grund zu gehenund eine neue Vision für das Zusammenleben auf unserem Heimatplaneten zu entwickeln?

Die Fragezeichen am Ende der zitierten Sätze verstehe ich als Einladung, mich zu entscheiden. Es geht hier vielleicht um mehr als bloße Zustimmung – oder ein entschlossenes Like. „Ich entscheide mich…“ – so beginnt der Blogbeitrag der Autorin. Das könnte jeder von uns tun: sich entscheiden.

Es scheint etwas Entscheidendes zu fehlen, heißt es gleich in den ersten Sätzen. Einer Vernunft, der die Liebe fehlt, fehlt etwas Entscheidendes. Aber auch einer Liebe, die nicht handlungsfähig ist, die sich nicht für das Leben, die Erde, die Verbundenheit mit allem entscheiden kann, fehlt etwas. Vielleicht ist sie bloß Sentimentalität. Ihr fehlt die Vernunft, dem Geliebten eine Chance zu geben, dass es gedeihen kann – und überleben. …denn nicht nur das Klima ist aus dem Gleichgewicht geraten, sondern der gesamte lebendige Organismus Erde – und wir selbst.

Eine Seelenreise, hatte ich gesagt. Vielleicht ist es auch eine Pilgerreise. Ihre Stationen sind markante Fragestellungen. …wollen oder können wir uns damit abfinden? …genügt das, um unseren Kindern und Enkeln eine bewohnbare Erde zu hinterlassen?

Und dann der klare schonungslose Blick: Wenn das was wir Kultur nennen… einem „guten“ Leben offensichtlich nicht mehr dient. – Da kann man dann nur noch auf die Knie gehen. Und möchte dienen lernen.

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Unserer Kultur fehlt etwas Entscheidendes. Wen wundert’s? Sie ist nie eine Kultur der Einheit, Gleichheit und des Friedens gewesen – sondern eine patriarchale Macht-Kultur. Es scheint, dem Männlichen fehlt die Vorstellungskraft der Liebe. We are what we imagine – zitiert die Autorin eine ihrer inspirierenden Quellen. – Ist das der lieblose Blick der männlichen Kultur und Politik, Wissenschaft und Ökonomie. Wir erwachen gerade aus einem Dornröschenschlaf – und erschrecken über die zerrüttete Welt, die sich dieser Blick „vorgestellt“ hat. – Diese Vorstellung aber lebt durch unser aller Augen. Und so erschrecken wir ein weiteres Mal. Denn es kommt auf uns an.

Ich entscheide mich die Welt mit anderen Augen zu sehen. Jeden Tag. Damit mein Leben doch noch zu einer Seelenreise wird, einer Pilgerreise der Liebe zur Erde. Neuerdings huldigt meine Vernunft gar einer realen Göttin des Lebens. Sie ist weiblich. Sie ist überall und ihre Liebe fordert Wandel. – So wie Liebe immer Wandel und Veränderung mit sich bringt. – Sie fordert uns heraus. Wir müssen uns entscheiden, denke ich. Und wir müssen uns zeigen mit dem, was wir entschieden haben. – So wie die Autorin in diesem Blog.

Wenn unsere Liebe und unsere Vernunft keine Zukunft erfinden, wird es keine Zukunft geben.

Foto: J. Cammert

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Die eigene Rationalität in die Schranken zu weisen ist eine Herkulesaufgabe. Zumindest für mich. Die Rationalität verschließt mir den Blick für die Mehrdimensionalität des Lebens. Sie schließt aus, was nicht sichtbar, und mit den dominanten äußeren Sinnen greifbar und erfahrbar ist. Sie definiert und inszeniert ein Äußeres, dessen Inneres leblos, leer und bedeutungslos scheint.
Wer sich die Augen öffnen lassen möchte für dieses Innere des Lebens, der Natur und der Erde, dem seien die Bücher von Marko Pogaĉnik empfohlen, dem Geomanten, Künstler und „Mystiker“, der seit drei Jahrzehnten den Seelenraum der Erde erforscht – und Erdheilung praktiziert. Die Titel sprechen für sich: Das geheime Leben der Erde – Neue Schule der Geomantie 2008 / Der Wandlungstanz der Erde – Ein Begleiter durch die Herausforderungen der jetzigen Zeit 2019

Begonnen hat meine Reise mit Pogaĉnik schon vor mehr als zwanzig Jahren unter anderem mit den beiden Büchern Erdsysteme und Christuskraft – Ein Evangelium für das Menschwerden 1998 und Die Erde wandelt sich – Erdveränderungen aus geomantischer Sicht 2001.

Ich hatte mich allerdings –beinahe erfolgreich – dem Weisheitsblick der Narration Pogaĉniks wieder entzogen, und mich ihr erst wieder gestellt, als ich an einem „persönlichen“ Abgrund stand.

Man kann sich dem hypnotischen Blick unserer Kultur, der von der Liebe und der Natur, von der Weisheit und der Seele entrückt und entfremdet ist, kaum entziehen. Erst jetzt, wo wir uns den Zustand der Biosphäre vergegenwärtigen müssen, begreifen wir wie verheerend sich das klaustrophobische Zwangsverhalten der Rationalität auf alles auswirkt, was lebt. Und fühlt. Unser Denken wirkt sich selbst auf das Wasser aus und auf die Luft die wir atmen. Rationalität und Denken an sich sind wunderbar. Sie sind ein Ausdruck des Menschseins und der Fähigkeit zur freien Entscheidung, die den Menschen ausmacht. Zum Fluch und zur Hybris werden sie erst wenn ihnen die Liebe fehlt – und die Vernunft sich beschränkt auf ein Machtkalkül und ein Streben nach Gewinn um jeden Preis. Wir ahnen vielleicht allmählich, wie groß die wahre Bedeutung des Menschen für den Planeten, den lebendigen Seelenraum der Erde, eigentlich ist. Wir fragen uns, wie wir die gemeinsame Evolution mit der Erde und all ihren Wesen in einem partnerschaftlichen mitschöpferischen Sinn gestalten können – und wie notwendig es sein könnte, alles was lebt „vernünftigerweise“ als heilig zu betrachten. Und zu lieben.

Da diese Dinge nicht erfasst werden können von der Narration der Rationalität, braucht es offenbar eine neue Narration und Imagination – eine lebendige Vision des Seins und seiner Entwicklung – eine Vision der Zukunft, in der sich ein tieferes integrales Verständnis dessen ausdrückt, was wir Schöpfung und Evolution nennen. Und somit ein neues Verständnis von uns selbst.

Nach meiner Kenntnis liegt diese Narration längst vor – und sie hat zahlreiche Quellen. Es scheint, sie alle würden in ein gemeinsames ethisches Verständnis des Lebendigen und Heiligen münden, dessen leibhaftige Gestalt sich uns ausgerechnet in einem großen Wandel und Übergang neu offenbart. Der Wandel geschieht, ob wir nun wollen oder nicht – und lädt uns ein, uns selbst als Menschen zu erkennen. – Wer sind wir? Wer bin ich? – Ich denke, wir sollten uns darauf besinnen, dass es nicht bloß um einen kulturellen Wandel geht, der vor allem uns Menschen betrifft. Es scheint vielmehr, dass das Geschehen ein elementarer und evolutionärer Wandel ist, der alle Dimensionen des Seins ergreift. Die Zeiten wo wir uns als Herrscher dieser Welt fühlen konnten sind vorbei.

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Eigentlich kommt es mir so vor, als würde niemand wirklich Veränderung wollen. Wir wollen nur mehr oder weniger von irgendetwas. Wirkliche Veränderung ist nicht quantitativ, sie ist qualitativ. Auch darauf weist die Autorin hin. Veränderung konfrontiert uns mit Transformation, mit dem Unbekannten und Ungewussten. Sie nimmt uns die Kontrolle. Die Verunsicherung des Menschen angesichts des Wandels ist ungeheuerlich – und zwar auch deshalb, weil sich unsere materialistisch-männliche Kultur von den weiblichen Prinzipien des Zyklischen, des Werdens und Vergehens – seinen universellen Gesetzen und seiner seelisch-archetypischen Tiefe – abgekoppelt hat.

Die Rationalität unserer dominanten zivilisierten Kultur verachtet das Weibliche. Und so verachtet sie auch die Erde – unsere Heimat. Wir sind kulturell gesehen erblindet – und haben unsere Herzverbindung und Heimat verloren. Das ist bitter. Die kulturellen Mechanismen, Technologien und Narrationen, denen wir uns verschrieben haben, geben uns keine Orientierung im Gelände der Evolution. Ganz im Gegenteil – sie zerren uns in die Verwirrung und Verblendung. Das ist erschütternd. Gerade jetzt!

Der Blogbeitrag der Autorin verweist ganz präzise auf die beiden Perspektiven, die sich aus dem tragischen Dilemma als Herausforderung ergeben: Die Frage nach den Ursachen – und die Frage nach einer zukunftsweisenden Vision und Narration.

Ich denke, es ist im Grunde offensichtlich, dass die Gleichgültigkeit, der Zynismus und „alternativlose“ Pragmatismus, mit denen unsere zivilisierte Kultur ihr Zerstörungswerk verrichtet, nur in einem Trauma, einer kollektiven Traumatisierung begründet sein kann.
(Es sei denn man würde vom Bösen im Menschen ausgehen wollen. – Ich hielte das für keinen guten Gedanken.)

Diese massive Traumatisierung müsste sich uns erschließen, damit sie geheilt werden kann.

Ich glaube ernsthaft, dass das kollektive Trauma der dominanten zivilisierten Kulturen die Abkoppelung vom Seelenraum der Natur und der Erde ist, die vor etwa 5.000 Jahren geschah. Es ist der Beginn der patriarchalen und rationalen Kulturentwicklung. Diese Abkoppelung hat uns seelisch entwurzelt und zutiefst traumatisiert. Sie hat das Weibliche verraten. Und „muss“ es seitdem ständig missachten und misshandeln. Wir Menschen haben unsere paradiesische planetare Seelenheimat und damit unsere mehrdimensionale seelische Identität und Orientierung verloren – und uns einer Kulturentwicklung der Rationalität, der Herrschaft und Kontrolle ausgeliefert. In vielen – vielleicht gar in allen – „persönlichen“ Traumata spiegelt sich diese kollektive Traumatisierung wieder – und so halten sie für uns Einzelne anscheinend einen Zugang bereit zum großen Menschheits-Thema der liebenden Versöhnung mit dem Weiblichen und Heiligen – und der Wiederverbindung mit der Erde und der Seele.

Wenn wir diesen – vielleicht notwendigen – Irrtum korrigieren wollen, können wir das nicht in der Vergangenheit tun – und auch nicht in der Zukunft – sondern nur in der Gegenwart. Es braucht eine qualitative Veränderung – und zwar in jedem von uns. Jeden Tag. Jeder einzelne Mensch ist ein Ort des Wandels und trägt in sich das Potential der Erneuerung. – Das tragische und tückische an Traumata aber ist, dass sie sich ständig wiederholen. Sie sind nicht einfach Relikte der Vergangenheit. Sie sind wirksam in der Gegenwart. Geradezu von Augenblick zu Augenblick.

Achtsamkeit erfasst diese Augenblicke. Bewusstheit ermöglicht Entscheidung. Jederzeit. Wir können uns tatsächlich dabei zuschauen, wie wir uns mit nur einem einzigen Gedanken abkoppeln von allem Lebendigen. Von der Liebe. Der Empathie. Der Vernunft. – Der Zukunft. Wir können uns dabei zuschauen, wie oft wir dies tun. Und immer haben wir dafür „gute“ Gründe. Ein „gutes Leben“ aber sähe anders aus.

Foto: J. Cammert

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Der Irrtum des patriarchalen Materialismus könnte ein notwendiger gewesen sein, hatten wir gesagt. Notwendig vielleicht für die Entwicklung des Bewusstseins und für die Emanzipation des Menschen vom paradiesischen Traumzustand der symbiotischen Verbundenheit mit der „Mutter Erde“ – sodass der emanzipierte erwachsene Mensch seine evolutionäre Aufgabe erfüllen kann, den verlorenen paradiesischen Zustand in einer bewussten und selbst-bewussten, neu-schöpferischen Mitgestaltung anzustreben – und so den Geburtsraum einer neuen Evolution und Welt vorzubereiten und zu verwirklichen. – Wunderbar!

Ob das nun das Ende des Pilgerweges ist oder sein Anfang – auf jeden Fall geht es auf die Knie. Es scheint, dass immer mehr Menschen in den neuen Zustand oder die neue Dimension eines integralen Selbst hineinreifen – während sich auf der anderen Seite der manifeste „übermaterialisierte“ Raum der Industrialisierung und Technisierung, Digitalisierung und Globalisierung des rationalen Materialismus immer enger zusammenzieht. Als würde er sich in einen Geburtskanal verwandeln, durch den eine neue Welt geboren werden will.
Diese Geburtsgeschichte wäre eine Vision und Narration, die Wandel und Neu-Schöpfung vereint. Wenn der Geburtsraum des Neuen die heilige Erde ist, unser Planet, dann müssen wir sie lieben lernen, wenn wir nicht im Geburtskanal stecken bleiben wollen. Ohne Versöhnung und Vereinigung des Weiblichen und Männlichen aber ist diese Neugeburt nicht möglich.

Die Neue Welt. Das NEW CHILD. So ihr werdet wie die Kinder, wird euch das Himmelreich aufgetan – sagt uns ein erstaunliches Jesus-Wort. Das wäre wohl das Ende der Rationalität. Aber es wäre auch das Ende der Kindheit des Menschen. Denn im „Himmelreich“, im wahren Leben des Schönen und Guten, wären wir wirklich Erwachsene.

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Plädoyer

Mit Herz und Verstand eine Kultur erschaffen, die dem Leben dient.

Ich entscheide mich dafür, den Wandel zu begrüßen, weil immerhin die Möglichkeit besteht, dass wir ein neues Kapitel der Menschheitsgeschichte schreiben, das sowohl uns selbst als auch unseren nichtmenschlichen Verwandten ein „artgerechteres“ und würdigeres Dasein ermöglicht.

Denn auch wenn wir in der „westlichen Welt“, den reichen Industrienationen, mehrheitlich davon überzeugt sind, dass wir die beste (humanste) aller bisher dagewesenen Kulturen geschaffen haben – demokratisch, sozial, basierend auf dem Grundsatz der Gleichheit und der Rechtsstaatlichkeit – es scheint etwas Entscheidendes zu fehlen.

Die wachsende Vereinsamung, eine Zunahme an psychischen und psychosomatischen Erkrankungen schon im Kindesalter, die ungerechte Verteilung der Ressourcen innerhalb der Gesellschaften, aber auch innerhalb der Staatengemeinschaft, die wachsende Aggressivität im gesellschaftlichen Diskurs, die vielen bewaffneten Konflikte auf der Welt, das Leid der Nutztiere, das weltweite Artensterben – wollen und können wir uns damit abfinden?

Oder ist es vielleicht an der Zeit, den Ursachen auf den Grund zu gehen und eine neue Vision für das Zusammenleben auf unserem Heimatplaneten zu entwickeln?

Ja, ich bin dankbar, in einem Land zu leben, in dem ich nicht weggesperrt werde, wenn ich frei meine Meinung äußere und auch nicht fürchten muss, zu verhungern, wenn ich meine Arbeit verliere. Aber genügt das, um von einem „guten“ Leben zu sprechen?
Und vor allem – genügt das, um unseren Kindern und Enkeln eine bewohnbare Erde zu hinterlassen?

Wenn das, was wir Kultur nennen, die Art und Weise ist, wie die Menschen unter bestimmten Bedingungen leben und ihre Beziehungen gestalten, dann muss sich auch die „Kultur“ von Zeit zu Zeit einer kritischen Bestandsaufnahme unterziehen. Insbesondere, wenn sie einem „guten“ Leben offensichtlich nicht mehr dient.

Ich habe das Gefühl, dass die derzeitigen Anstrengungen, das „Klima zu retten“ nicht nur nicht ausreichend sind, weil die angestrebten Ziele in der Regel nicht erreicht werden. Schwerer wiegt meines Erachtens, dass der alleinige Fokus auf eine Reduzierung von CO2 in der Atmosphäre nicht die Lösung sein kann, denn nicht nur das Klima ist aus dem Gleichgewicht geraten, sondern der gesamte lebendige Organismus Erde – und wir selbst.

Es ist belastend für uns, die Zerstörung der natürlichen Welt zu erleben. Negative Botschaften haben negative Auswirkungen auf die Prozesse in unserem Gehirn und wirken sich auf die körperliche und geistige Gesundheit aus. Daher brauchen wir Erfahrungen und Anregungen, die uns motivieren und davor bewahren, negative Emotionen wie Verzweiflung, Wut und Angst permanent zu nähren und damit den Prozess des Wandels im negativen Sinne zu beeinflussen.

Was sagt das Herz?

Das Herz. In unserer Kultur ist das Herz ein Organ, das das Blut durch unseren Organismus pumpt. Metaphorisch betrachtet steht es für die Welt der Gefühle und der Liebe. Gefühlen gegenüber sind wir skeptisch, denn sie stehen im scheinbaren Widerspruch zum logischen Denken – und der empirischen Wissenschaft. Sie gehören allenfalls in den Bereich der Künste, beziehungsweise des Privaten.

Neuere wissenschaftliche Studien indes zeigen, dass im Herzen eine neuronale Struktur angelegt ist, die der in unserem Gehirn ähnelt und dass das Herz unsere Gehirnfunktionen beeinflusst. Vom Herzen geht ein starkes Magnetfeld aus, das das Nervensystem anderer Lebewesen beeinflusst. Dieses Feld lässt sich noch mehrere Meter vom Körper entfernt messen. Dass das Herz das Organ ist, über das wir mit der Welt in Beziehung treten, haben Menschen gewusst, lange bevor elektro-magnetische Strahlung gemessen werden konnte.

Ob wir lieben oder hassen hat eine große Auswirkung auf uns selbst und unser Umfeld. (Stichworte: Gedeihen oder Verkümmern).

Der gemeinsame Nenner indigener Kulturen ist das Wissen um die grundsätzliche Verbundenheit aller Lebewesen und die Heiligkeit allen Lebens. Das Wissen, dass jedes Wesen, auch das kleinste, eine wichtige Aufgabe im Gefüge erfüllt. Zu den lebendigen Kräften der Natur zählen auch die Elemente Wasser, Erde , Luft und Feuer, die geehrt und auf die Acht gegeben wird. Die indigene Weltsicht ist nicht hierarchisch. Pflanzen, Tiere und auch die Ahnen sind „Verwandte“.

Mich hat sehr berührt, dass sich Menschen indigener Herkunft als „Hüter*innen der Erde“ verstehen. Als solche sind sie derzeit auch bei Versammlungen bei der UNO und auf Klimagipfeln präsent und teilen ihre Sicht der Dinge. Die Kämpfe um „ihr Land“ und ihre Heiligen Stätten dauern an. Dabei haben diese Menschen ein Verhältnis zum Land, das sich von unserem stark unterscheidet. Wenn sie Besitzrechte anmelden dann geht es nicht darum, das Land besitzen zu wollen, sondern um die Möglichkeit, das Land vor invasiven Eingriffen (Fracking, Müllentsorgung, etc.) zu schützen. Ihrem Verständnis nach kann man Land nicht besitzen, weil es lebendig ist.

Ich bin davon überzeugt, dass die Perspektive der indigenen Völker, ihre Weisheit und ihr Wissen um die ökologischen Zusammenhänge auf dieser Erde viel zur Lösung der gegenwärtigen Probleme beitragen kann. Die Beschäftigung mit der inneren Haltung dieser Kulturen ist für mich wie ein Lebenselexier. In schwierigen Zeiten, wenn es sich so anfühlt, als würde alles nur immer schlimmer, hilft mir die Rückbesinnung auf die Verbundenheit alles Lebendigen und es fühlt sich an, als käme etwas Vertrautes zu mir zurück. Da ist selbstverständlich auch Trauer, aber vor allem Zuneigung, Freude und ja, – auch Liebe.

Charles Eisenstein kritisiert in „Klima. Eine neue Perspektive“, dass es bei den Maßnahmen zur Reduzierung der schädlichen Treibhausgase in der öffentlichen Debatte auch wieder nur um Zahlen und Technologien geht. Als wären wir nicht auch auf der emotionalen Ebene davon betroffen, wenn ein Wald gerodet wird und seine Bewohner heimatlos werden. Eisenstein ermutigt die Leser*innen sich die emotionale Betroffenheit zuzugestehen. Der Wald ist wesentlich mehr als ein CO2-Speicher. Er ist lebendig und wenn „unser“ Wald stirbt, stirbt auch ein Teil von uns. Vor allem aber hat jedes einzelne Wesen (im Wald und überall sonst) einen Wert an sich, unabhängig von seinem Nutzen für uns Menschen. Es wird Zeit, dass wir aufhören, Pflanzen und Tiere wie Gegenstände zu betrachten – und zu behandeln. Wir wissen doch längst, dass „Alles fühlt“. Das galt es auszublenden, als wir uns entschieden haben, „uns die Erde Untertan zu machen“. Für den umgekehrten Vorgang, also die Rückkehr zur ursprünglichen Partnerschaft ist die gefühlsmäßige Bindung nicht nur „gestattet“, sondern sogar immens wichtig.

Warum dieser Perspektivwechsel so wichtig ist, spüre ich jedes Mal, wenn mich eine Begegnung mit der menschlichen oder der nichtmenschlichen Welt oder ein Text tief berühren. Wenn das geschieht fühle ich mich lebendig, verbunden, zu Hause. Und ich habe das Bedürfnis, mich um das kümmern, was mir am Herzen liegt.

Mit dem Herzen sehen, vom Herzen her sprechen – das bedeutet, gefühlsmäßig verbunden zu sein. Und diese Verbundenheit ist die Voraussetzung dafür, Mitgefühl zu entwickeln und sich zu engagieren. Menschen, die der Natur entfremdet sind, werden nicht die Energie aufbringen, sich für sie einzusetzen. Mir scheint, die alles entscheidende Frage ist, ob es uns gelingt, das Gefühl des Getrennt Seins aufzuheben und die lebendige Welt um uns herum wieder zu fühlen.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass es Bücher gibt. Bücher sind zwar kein Ersatz für unmittelbares Erleben, aber ein Text, der vom Herzen kommt, kann ein starker Impuls sein, die Welt aus einer erweiterten Perspektive zu betrachten, und sich für neue Erfahrungen zu öffnen.

Ich schreibe diese Zeilen an einem trüben, regnerischen Novembertag, in dem Wissen, dass viele solcher Tage folgen werden. Und obwohl auch in diesem Jahr damit zu rechnen ist, dass Kontakte in der „realen Welt“ in den kommenden Monaten nur mit vielen Einschränkungen möglich sein werden, begrüße ich diese Zeit der „inneren Einkehr“, weil ich weiß, dass Begegnungen nicht nur auf der physischen Ebene stattfinden.

Manche Autor*innen hinterlassen einen so tiefen Eindruck, dass sie zu ständigen Begleiter*innen werden. Zu jenen zählt für mich Robin Wall Kimmerer (Professorin für Botanik und Angehörige des Stammes der Potawatomi, Nordamerika). In „Geflochtenes Süßgras“, gewährt die Autorin einen Einblick in ihre Kultur, in der Menschen und Pflanzen zum gegegenseitigen Gedeihen in Partnerschaft zusammenwirken. Ein wunderbares Buch, weil die Autorin nicht nur etwas Wichtiges mitzuteilen hat, sondern auch eine großartige Erzählerin ist.

Ich plädiere dafür, dass wir die dunkle und kalte Jahreszeit nutzen, um eine Vision zu entwickeln, denn:

We are what we imagine. Our very existence consists in our imaginiation of ourselves. Our best destiny is to imagine, at least, completely, who and what, and that we are. The greatest tragedy that can befall us is to go unimagined.
(N. Scott Momaday, „The man made of words“, 1970)

(„Wir sind, was wir uns vorstellen. Unser wahres Dasein besteht in unserer Vorstellung von uns selbst. Unser bestes Schicksal ist es, uns zumindest vollständig vorzustellen, wer und was, und dass wir sind. Die größte Tragödie, die uns widerfahren kann, ist es, sich nichts vorzustellen.“)

Abschließend möchte ich Sie an dieser Stelle noch einmal herzlich einladen, Ihre Eindrücke und Gedanken mit den Leser*innen dieses Blogs zu teilen. Kommentare und auch längere Textbeiträge sind willkommen.

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Luftschlösser oder Paradigmenwechsel?

Another world is not only possible, she is on her way. On a quiet day, I can hear her breathing.”
(Arundathi Roy)

«Leben heißt Atmen, denn unser Bezug zur Welt ist nicht der des Hineingeworfen-Seins, des Innerhalb-der-Welt-Seins und auch nicht der des Herrschens eines Subjekts über ein Objekt, das ihm gegenüberliegt: In-der-Welt-Sein heißt, ein transzendentales Eintauchen zu erfahren. Eintauchen – dessen ursprüngliche Dynamik der Atem ist – definiert sich als gegenseitige Verschränkung».
(Emanuele Coccia, Die Wurzeln der Welt – Eine Philosophie der Pflanzen)

Am Anfang waren die Pflanzen, die eigentlichen Erschafferinnen unserer Welt. Sie erzeugen die Atmosphäre (Luft), die das vielfältige Leben auf der Erde ermöglicht.

Noch immer betrachten wir, in unserem Kulturkreis, Pflanzen als gefühllose Objekte und nicht als Lebewesen. Im Internet habe ich ein Zitat von Robin Wall Kimmerer, Pflanzenökologin, Angehörige des Stamms der Potawatomi, gefunden, das verdeutlicht, dass Pflanzen in anderen Kulturen (noch immer) hohes Ansehen genießen.

«In some Native languages the term for plants translates to „those who take care of us.» (In einigen Sprachen der Ureinwohner bedeutet der Begriff für Pflanzen übersetzt «diejenigen, die sich um uns kümmern»). Robin Wall Kimmerer

Große Teile der Menschheit haben im Laufe der Jahrhunderte aus dem Blick verloren, dass in der Natur alles miteinander verbunden ist und die Interaktion und Durchdringung verschiedener Lebensformen die Grundlage des komplexen Ökosystems Erde ist. Es macht keinen Sinn, das Element Luft, isoliert zu betrachten. Vielmehr ist es gerade die Luft, die uns alle miteinander verbindet und unterschiedliche Formen der Kommunikation ermöglicht – zum Beispiel über Schallwellen, das elektromagnetische Feld oder die Verbreitung von Pheromonen (Duftmolekülen). Wir haben uns eine Welt geschaffen, in der andere Lebewesen eine untergeordnete Rolle spielen. Mit fatalen Folgen für uns selbst. Das Fremdwort dafür lautet „Anthropozentrismus“.

Aber unser hierarchisches Weltbild verändert sich. In vielen Bereichen der Wissenschaften findet ein Perspektivwechsel statt, der auf längere Sicht unser Verhältnis zur Natur verändern wird. Schon jetzt stellen immer mehr Menschen den Umgang mit Pflanzen und Tieren in Frage. Die Stimmen derer, die sich für gesetzlich verbriefte Rechte von Tieren und Pflanzen einsetzen, werden lauter. Und das ist gut so, denn das Artensterben trifft uns Menschen nicht nur tief ins Herz, sondern hat auch Auswirkungen auf die Überlebenschancen der Spezies Mensch.

Es liegt was in der Luft

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass überall auf der Welt Bewegungen entstehen, die Veränderungen einfordern: Arabischer Frühling, Fridays For Future, Black Lifes Matter, Me Too – alle diese Bewegungen sind keine lokalen Ereignisse, sondern finden gleichzeitig auf verschiedenen Kontinenten statt. Sie richten sich gegen strukturelle Benachteiligung, Unterdrückung und die Zerstörung der Umwelt. Das Bedürfnis nach grundlegenden Veränderungen scheint „in der Luft zu liegen“, die Zeit ist reif. Was diese Bewegungen verbindet, ist nicht nur die Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit, sondern auch die Erkenntnis, dass sich die Probleme nur grenz- und kulturübergreifend lösen lassen.

Ich sehe viele Anzeichen für einen Paradigmenwechsel in der Welt. Die bereits erwähnten neueren Erkenntnisse in den Naturwissenschaften und die allmähliche Öffnung für einen interdisziplinären Dialog bereiten den Weg für ein neues Weltbild, das ein Universum entwirft, das bis in die einzelne Zelle hinein von Intelligenz durchdrungen ist. Intelligente Zellen, miteinander kooperierende Lebewesen, elektromagnetische Felder, über die alles miteinander verbunden ist – das ist eine deutlich andere Vorstellung als das mechanistische Weltbild, das unseren Kulturkreis seit dem 16. Jahrhundert dominiert.

Und sie ist inspirierend, weil sie nahelegt, dass wir mit unserem Bemühen, „das Klima zu retten“, nicht alleine dastehen. Zahlreiche Aufforstungsprojekte zeigen, dass sich die Ökosysteme, dank „Mitarbeit“ der Pflanzenwelt, insbesondere der Bäume, schneller als gedacht, wieder erholen.

Resilienz

In einer Zeit, in der die Menschen vor großen Herausforderungen stehen, ist „Resilienz“ zu einem wichtigen Begriff geworden. Er bezeichnet die Fähigkeit, außergewöhnliche Anforderungen und schwierige Situationen ohne negative Folgen für die psychische Gesundheit zu bewältigen. Resilienz ist eine Voraussetzung dafür, dass wir fähig sind, den Wandel, der sich nicht aufhalten lässt, aktiv mitzugestalten. Deshalb halte ich die Frage, was wir tun können, um unser inneres Gleichgewicht zu erhalten für eine zentrale Frage.

Ein zugewandtes und unterstützendes soziales Umfeld, das Sicherheit und Geborgenheit bietet, ist sicher ein entscheidender Faktor. Aber auch eine Kultur, die Räume schafft, in denen sich Menschen angstfrei begegnen und austauschen können. Mir fallen eine ganze Reihe weiterer Faktoren ein, die ich mit Resilienz in Verbindung bringe: Neugier, Enthusiasmus, Kreativität, Inspirationen, Visionen, Zugang zu Orten in der Natur und die Fähigkeit, zu entspannen. Eine Kulturtechnik, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut, ist die Meditation – die bewusste Verbindung mit „unserem Element“, der Luft. Das Atmen hilft dabei, zur Ruhe zu kommen und – regelmäßiges Meditieren stärkt nachweislich das Immunsystem.

In einer betriebsamen Welt, in der etliche Akteure um unsere Aufmerksamkeit buhlen, bietet die Meditation einen Frei-Raum, in dem wir das Eingetaucht-Sein-in-die-Welt sinnlich erfahren können.

Wir haben es derzeit mit einer ganzen Reihe bedrohlicher Szenarien zu tun, allen voran die Klimakrise und das Artensterben, weltweite kriegerische Auseinandersetzungen um die verbliebenen Ressourcen und neuerdings auch Viren, mit deren vermehrtem Auftreten wir ab jetzt rechnen müssen, weil das Ökosystem Erde durch unseren Raubbau stark gelitten hat. Dem Schriftsteller August Strindberg wird der Satz zugeschrieben: „Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit“. Gilt das nicht gleichermaßen für das komplexe Ökosystem Erde?

Wir haben jetzt die Chance, unsere Beziehung zur lebendigen Welt zu erneuern. Und es gibt viele Beispiele dafür, wie das gelingen kann. In dem Bereich „Literatur“ stelle ich eine Auswahl inspirierender Bücher vor, die Lust machen, sich auf konstruktive Weise mit dem Thema „Wandel“ auseinanderzusetzen. Ich bin davon überzeugt, dass eine neue Wissenschaftskultur, die sich an der Intelligenz der Natur orientiert und der Natur eine „Akteurfunktion“ zugesteht, Teil der Lösung sein könnte. Vorausgesetzt es findet ein Bewusstseinswandel statt und das gemeinsame Ziel ist dann eine globale Zusammenarbeit, die das gesamte Ökosystem im Blick behält.

Große Veränderungen kommen nicht aus heiterem Himmel. Sie kündigen sich lange vorher an. Die Menschheit steht zum vierten Mal in ihrer Geschichte vor einer „Revolution des Denkens“.

Die Luft ist unsichtbar aber kein leerer Raum. In ihr und durch sie bewegen sich unendlich viele winzigste Teilchen – Atome, Moleküle, Bakterien, Viren – die so genannten Aerosole. Die Luft ermöglicht ein lebensnotwendiges Wechselspiel zwischen Teilchen und Lebewesen, die einen regen Austausch von Informationen betreiben und sich permanent erneuern. Was wir als feste Körper wahrnehmen, sind eigentlich Körper in fließender Bewegung.

Dank der Erfindung des Elektronenmikroskops, können Wissenschaftler*innen seit einigen Jahrzehnten die „winzigen Gefährten“, die unsere Welt bevölkern, sehen und erforschen. Daher haben wir jetzt die Gewissheit, dass die Existenz fester Körper eine Illusion ist. Das ganze Ausmaß dieser Erkenntnis ist noch gar nicht bei uns angekommen.

Eine neue Normalität?

Ein unsichtbares Teilchen, das Virus, das seit Anfang 2020 die ganze Welt in Atem hält, hat unser Leben auf eine Weise verändert, die wir bis dahin nicht für möglich gehalten hätten. Wir leben jetzt seit über einem Jahr im Ausnahmezustand. Die Luft, unser wichtigstes „Lebensmittel“, ist zur Gefahrenzone geworden, Kontaktvermeidung das Gebot der Stunde.

Welche Folgen hat das für unsere Psyche? Wie steht es um unsere Resilienz?

Ich stelle fest, dass es schwieriger geworden ist, miteinander zu reden. Mit meiner Einschätzung stehe ich nicht alleine da. Seit geraumer Zeit fehlen die Räume, die dazu beitragen, ein Wir-Gefühl zu entwickeln und sich auszutauschen. Wir brauchen aber die Perspektive der anderen.

Diese „Sprachlosigkeit“ beunruhigt mich. Wie konnte ein Klima von Misstrauen und Unterstellungen entstehen, das davon geprägt ist, Andersdenkende sprachlich zu diffamieren und sie pauschal in die rechte Ecke zu stellen? Ich frage mich, wie wir da wieder rauskommen.

Pflanzen spüren, ob wir ihnen wohlgesonnen sind. Anders herum senden sie Botschaften aus, die sich auf uns auswirken. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass wir in der Gegenwart von Pflanzen zur Ruhe kommen und sogar Heilungsprozesse beschleunigt werden. Interessant ist, dass Kommunikation in großen Teilen unbewusst stattfindet.

Fraglos sind wir miteinander verbunden und nutzen gemeinsame Kanäle, um uns aus-zutauschen. Das verbindende Medium ist die Luft. Austausch und Vermischung sind die Grundlage aller kreativen Lebensprozesse.

Um das „geistige Klima“ ist es derzeit nicht gut bestellt. Viele Kanäle sind blockiert. Die Folgen sind Depression und Stagnation. Zwar sind wir alle auf irgendeine Weise von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen, doch sind die Auswirkungen, abhängig von den äußeren Umständen sehr verschieden. Viele Menschen haben in den letzten Monaten verloren, was ihr Leben bislang ausgemacht hat. Die Zahl derer, die unter Einsamkeit und Depressionen leiden, wächst. Allerdings nicht erst seit Ausbruch der Pandemie. Die Ursachen liegen also tiefer.

Den Hinweis auf die Qualität sozialer Kontakte finde ich bedenkenswert. Wir unterhalten uns ja nicht nur miteinander, um uns die Zeit zu vertreiben. Viele Gespräche werden geführt, um sich in Bezug auf ein Thema eine Orientierung zu verschaffen, den eigenen Standpunkt für sich selbst klarer herauszuarbeiten, zu hinterfragen, mit anderen Standpunkten abzugleichen. „Meinungsbildung“ ist ein andauernder Prozess, in dem wir bestenfalls offen bleiben für andere Perspektiven und überzeugende Argumente und uns auf neue Ideen bringen lassen.

Kulturschaffende betonen derzeit immer wieder, zu Recht, dass sie die für uns Menschen unverzichtbare „geistige Nahrung“ zur Verfügung stellen und zur Resilienz beitragen. Und sie beklagen, dass diese wichtige Aufgabe der Kultur in der derzeitigen Krise zu wenig wahrgenommen und wertgeschätzt wird. Zugespitzt lässt sich feststellen, dass wir als Gesellschaft die Bedeutung einer positiven, bejahenden Lebenseinstellung, sowie Anregungen für den Geist, im Hinblick auf Gesundheit, Kreativität und persönliche Entwicklung nicht ausreichend in den Blick nehmen. Und beides brauchen wir, wenn wir uns den Herausforderungen stellen wollen, die der Wandel mit sich bringt.

Die aufgeheizte Stimmung, die Art und Weise, wie wir derzeit miteinander umgehen ist ein deutlicher Hinweis auf einen Mangel an Vertrauen und Zuversicht einerseits und ein Übermaß an Angst andererseits.

Krisen konfrontieren uns mit außergewöhnlichen Umständen. Manchmal auch mit solchen, die so noch nie dagewesen sind. Es gibt dementsprechend keine übergeordnete Instanz, die über ein vollständiges Bild verfügen würde. Umso wichtiger ist das gemeinsame Nachdenken, der breite gesellschaftliche Diskurs.

Und jetzt?

Zweifellos mussten wir uns in den letzten Monaten von vielen, teils liebgewonnenen, Gewohnheiten verabschieden. Dadurch sind aber auch neue Freiräume entstanden. Wir konnten erleben, dass Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit positive Effekte auf die Umwelt hatten. Saubere Luft an Stelle von Smog, die Erholung von Gewässern, Vögel, deren Gesang differenzierter und komplexer wurde, nachdem sie nicht mehr gegen den Verkehrslärm ansingen mussten. Die Krise hätte auch ein Gutes, wenn sie dazu beiträgt, dass wir uns mehr Gedanken darüber machen, was im Leben wirklich wichtig ist, und der lebendigen Welt um uns herum wieder mehr Aufmerksamkeit schenken.

Ob Corona, Klimawandel oder Artensterben – wir Menschen sind mitverantwortlich für die gegenwärtigen Probleme. Und es gibt kein Entkommen. Das wird uns gerade gespiegelt.

Unser Heimatplanet Erde ist ein lebendiger Organismus, der eine Fülle von Lebensformen hervorgebracht hat, die sich gegenseitig in ihrer Entwicklung beeinflussen. So gerne wir es auch wären, wir sind nicht autonom. Ohne den Sauerstoff, den die Pflanzen erzeugen, würde es uns nicht geben. Ohne bestäubende Insekten bleibt uns nicht mehr viel Zeit, bevor wir verhungern.

Es gibt Menschen, die davon träumen, den Mars zu besiedeln und mit technischen Mitteln, eine Atmosphäre zu erzeugen, die tierisches Leben ermöglicht. Statt sich auf das Abenteuer einzulassen, wirklich intelligente Mitspieler*innen in diesem wunderbar komplexen „Netzwerk der Natur“ zu werden.

Noch ist nicht endgültig entschieden, wohin die Reise geht. Aber eine Herausforderung ist diese Reise in jedem Fall.

„(…)Deshalb brauchen wir umgehend eine weltweite Bewusstseinsrevolution. Wenn wir alle verstehen und akzeptieren, dass die Herausforderungen lebensbedrohlich sind, können wir unsere Erde noch retten und das Überleben unserer Spezies sichern – vielleicht!“
(Anders Indset, Quantenwirtschaft)

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Castles in the air or paradigm shift?

Another world is not only possible, she is on her way. On a quiet day, I can hear her breathing.”
(Arundathi Roy)

„To live is to breathe, for our relation to the world is not that of being thrown into it, of being within the world, nor is it that of the dominion of a subject over an object that is opposite to it: Being-in-the-world means experiencing a transcendental immersion. Immersion – whose original dynamic is breath – is defined as mutual entanglement.“
(Emanuele Coccia, The Roots of the World – A Philosophy of Plants)

In the beginning, plants were the real creators of our world. They create the atmosphere (air) that makes the diverse life on earth possible.

In our culture, we still regard plants as insensitive objects and not as living beings. On the internet I found a quote from Robin Wall Kimmerer, a plant ecologist and member of the Potawatomi tribe, which illustrates that plants are (still) held in high esteem in other cultures.

«In some Native languages the term for plants translates to „those who take care of us.»
Robin Wall Kimmerer

Over the centuries, large parts of humanity have lost sight of the fact that everything in nature is interconnected and that the interaction and interpenetration of different life forms is the basis of the complex ecosystem Earth. It makes no sense to look at the element of air in isolation. Rather, it is precisely the air that connects us all and enables different forms of communication – for example, via sound waves, the electromagnetic field or the spread of pheromones (scent molecules). We have created a world for ourselves in which other living beings play a subordinate role. With fatal consequences for ourselves. The word for this is „anthropocentrism“.

There is something in the air

In recent years, it can be observed that movements demanding change are emerging all over the world: Arab Spring, Fridays For Future, Black Lives Matter, Me Too – all these movements are not local events, but are happening simultaneously on different continents. They are directed against structural disadvantage, oppression and the destruction of the environment. The need for fundamental change seems to be „in the air“, the time is ripe. What unites these movements is not only the longing for freedom and justice, but also the realisation that problems can only be solved across borders and cultures.

I see many signs of a paradigm shift in the world. The recent findings in the natural sciences already mentioned and the gradual opening up to interdisciplinary dialogue are paving the way for a new world view that designs a universe that is permeated with intelligence right down to the individual cell. Intelligent cells, living beings cooperating with each other, electromagnetic fields through which everything is interconnected – this is a distinctly different conception from the mechanistic world view that has dominated our cultural sphere since the 16th century.

And it is inspiring because it suggests that we are not alone in our efforts to „save the climate“. Numerous reforestation projects show that ecosystems are recovering faster than expected thanks to the „cooperation“ of the plant world, especially the trees.

Resilience

At a time when people are facing great challenges, „resilience“ has become an important term. It refers to the ability to cope with extraordinary demands and difficult situations without negative consequences for mental health. Resilience is a prerequisite for us to be able to actively shape the change that cannot be stopped. That is why I consider the question of what we can do to maintain our inner balance to be an important one.

An attentive and supportive social environment that offers safety and security is certainly a decisive factor. But also a culture that creates spaces where people can meet and exchange without fear. I can think of a whole range of other factors that I associate with resilience: Curiosity, enthusiasm, creativity, inspiration, vision, access to places in nature and the ability to relax. One cultural technique that is growing in popularity is meditation – consciously connecting with „our element“, the air. Breathing helps to calm down and – regular meditation has been shown to strengthen the immune system.

In a busy world, where several actors compete for our attention, meditation offers a free space in which we can sensually experience being immersed in the world.

We are currently facing a whole series of threatening scenarios, first and foremost the climate crisis and the extinction of species, worldwide armed conflicts over the remaining resources and, more recently, viruses, the increased occurrence of which we must expect from now on because the earth’s ecosystem has suffered greatly due to our overexploitation. The writer August Strindberg is credited with the sentence: „All culture is one great, endless collaboration“. Does this not apply equally to the complex ecosystem of the Earth?

We now have the chance to renew our relationship with the living world. And there are many examples of how this can succeed. In the „Literature“ section, I present a selection of inspiring books that make you want to engage with the topic of „change“ in a constructive way. I am convinced that a new scientific culture, which is oriented towards the intelligence of nature and grants nature an „actor function“, could be part of the solution. Provided that a change in consciousness takes place and the common goal is then a global cooperation that keeps the entire ecosystem in mind.

Big changes do not come out of the blue. They announce themselves long beforehand. For the fourth time in its history, humanity is facing a „revolution of thought“.

The air is invisible but not empty space. An infinite number of tiny particles move in and through it – atoms, molecules, bacteria, viruses – the so-called aerosols. The air enables a vital interplay between particles and living beings, which engage in a lively exchange of information and constantly renew themselves. What we perceive as solid bodies are actually bodies in flowing motion.

Thanks to the invention of the electron microscope, scientists have been able to see and study the „tiny companions“ that populate our world for several decades. Therefore, we now have the certainty that the existence of solid bodies is an illusion. The full extent of this knowledge has not yet reached us.

A new normal?

An invisible particle, the virus that has been keeping the whole world on tenterhooks since the beginning of 2020, has changed our lives in ways we would not have thought possible until then. We have been living in a state of emergency for over a year now. The air, our most important „food“, has become a danger zone, contact avoidance the order of the day.

What are the consequences for our psyche? What about our resilience?

I notice that it has become more difficult to talk to each other. I am not alone in my assessment. For some time now, there has been a lack of spaces that help to develop a sense of „we“ and to exchange ideas. But we need the perspective of others.

This „speechlessness“ worries me. How could a climate of mistrust and insinuations develop that is characterised by linguistic defamation of dissenters and placing them sweepingly in the right-wing corner? I ask myself how we can get out of this.

Plants sense whether we are well-disposed towards them. In other words, they send out messages that have an effect on us. It has been scientifically proven that we find peace in the presence of plants and that healing processes are even accelerated. It is interesting that communication largely takes place unconsciously.

We are unquestionably connected to each other and use common channels to exchange information. The connecting medium is air. Exchange and mixing are the basis of all creative life processes.

The „intellectual climate“ is not in good shape at the moment. Many channels are blocked. The consequences are depression and stagnation. While we are all affected in some way by the measures to contain the pandemic, the effects are very different depending on the external circumstances. Many people have lost what made up their lives so far in the last few months. The number of those suffering from loneliness and depression is growing. But not only since the outbreak of the pandemic. So the causes lie deeper.

I think the reference to the quality of social contacts is worth considering. We don’t just talk to each other to pass the time. Many conversations are held in order to get an orientation with regard to a topic, to work out one’s own point of view more clearly for oneself, to question it, to compare it with other points of view. „Opinion-forming“ is an ongoing process in which, at best, we remain open to other perspectives and convincing arguments and allow ourselves to be brought to new ideas.

At present, cultural practitioners repeatedly emphasise, and rightly so, that they provide the „spiritual nourishment“ that is indispensable for us humans and contribute to resilience. And they complain that this important task of culture is too little perceived and valued in the current crisis. To put it bluntly, we as a society do not sufficiently consider the importance of a positive, affirmative attitude to life, as well as stimulation for the mind, with regard to health, creativity and personal development. And we need both if we are to face the challenges that change brings with it.

The heated atmosphere, the way we are currently dealing with each other is a clear indication of a lack of trust and confidence on the one hand and an excess of fear on the other.

Crises confront us with extraordinary circumstances. Sometimes with circumstances that have never existed before. Accordingly, there is no superordinate authority that would have a complete picture. This makes it all the more important to reflect together, to engage in a broad social discourse.

And now?

There is no doubt that we have had to say goodbye to many habits, some of which we have grown fond of, in recent months. However, this has also created new freedom. We were able to experience that restrictions on our freedom of movement had positive effects on the environment. Clean air instead of smog, the recovery of water bodies, birds whose songs became more differentiated and complex after they no longer had to sing against the traffic noise. The crisis would also have a good thing if it helps us to think more about what is really important in life and pay more attention to the living world around us again.

Whether corona, climate change or species extinction – we humans are partly responsible for the current problems. And there is no escape. This is being mirrored to us right now.

Our home planet Earth is a living organism that has produced an abundance of life forms that influence each other in their development. As much as we would like to be, we are not autonomous. Without the oxygen that plants produce, we would not exist. Without pollinating insects, we don’t have much time left before we starve to death.

There are people who dream of colonising Mars and using technical means to create an atmosphere that makes animal life possible. Instead of embarking on the adventure of becoming truly intelligent players in this wonderfully complex „network of nature“.

It has not yet been finally decided where the journey will lead. But this journey is a challenge in any case.

„(…)That is why we need a worldwide revolution of consciousness immediately. If we all understand and accept that the challenges are life-threatening, we can still save our Earth and ensure the survival of our species – maybe!“
(Anders Indset, Quantum Economy)

The Good Life

Photo: J. Cammert

### by LuckyMe

The text „Creating a culture that serves life with heart and mind“ took me on a soul journey of reason. It speaks a beautiful language of heart-reason. It may sound strange, but I find it perfectly reasonable to be in a loving connection – to all that lives and feels. Ultimately, I believe that for the soul there is no contradiction between love and reason. If they are separated, the soul withers – and with it the land, life, the earth – with all our relatives.

So in any case it is reasonable to welcome the change – as the author writes – to get to the bottom of the causes – and to develop a new vision for living together on our home planet?
I understand the question marks at the end of the quoted sentences as an invitation to make up my mind. There is perhaps more at stake here than mere agreement – or a resolute like. „I decide…“ – is how the author’s blog post begins. It’s something any of us could do: decide.

Something crucial seems to be missing, it says in the very first sentences. A reason that lacks love lacks something decisive. But a love that is not capable of action, that cannot decide in favour of life, the earth, the connection with everything, is also missing something. Perhaps it is merely sentimentality. It lacks the reason to give the beloved a chance to thrive – and survive. …for it is not only the climate that is out of balance, but the entire living organism of the earth – and ourselves.

A soul journey, I had said. Perhaps it is also a pilgrimage. Its stations are striking questions. …do we want to or can we come to terms with this? …is it enough to leave our children and grandchildren a habitable earth?
And then the clear, unsparing view: If what we call culture… obviously no longer serves a „good“ life. – Then one can only go down on one’s knees. And want to learn to serve.

Our culture is missing something crucial. Who is surprised? It has never been a culture of unity, equality and peace – but a patriarchal culture of power. It seems the masculine lacks the imagination of love. We are what we imagine – the author quotes one of her inspirational sources. – Is this the loveless gaze of male culture and politics, science and economics. We are just waking up from a slumber – and startled by the shattered world that this gaze has „imagined“. – But this imagination lives through all our eyes. And so we are frightened one more time. Because it depends on us.

I choose to see the world with different eyes. Every day. So that my life becomes a soul journey after all, a pilgrimage of love to the earth. Lately, my reason even pays homage to a real goddess of life. She is female. She is everywhere and her love demands change. – Just as love always brings change and transformation. – She challenges us. We have to choose, I think. And we have to show up with what we have decided. – Just like the author in this blog.
If our love and our reason do not invent a future, there will be no future.

Photo: J. Cammert

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Putting our own rationality in its place is a Herculean task. At least for me. Rationality closes my eyes to the multidimensionality of life. It excludes what is not visible and tangible and experiential with the dominant external senses. It defines and stages an exterior whose interior seems lifeless, empty and meaningless.
If you want to open your eyes to this inner life, nature and earth, we recommend the books by Marko Pogaĉnik, the geomancer, artist and „mystic“ who has been exploring the soul space of the earth – and practising earth healing – for three decades. The titles speak for themselves: The Secret Life of the Earth – New School of Geomancy 2008 / The Transformational Dance of the Earth – A Companion through the Challenges of the Present Time 2019.
My journey with Pogaĉnik began more than twenty years ago with the two books Earth Systems and Christ Power – A Gospel for Becoming Human 1998 and The Earth Changes – Earth Changes from a Geomancy Perspective 2001.
However, I had – almost successfully – withdrawn from the wisdom gaze of Pogaĉnik’s narration and only faced it again when I was standing at a „personal“ precipice.

It is hard to escape the hypnotic gaze of our culture, enraptured and alienated from love and nature, wisdom and the soul. Only now, when we have to visualise the state of the biosphere, do we understand how devastating the claustrophobic compulsive behaviour of rationality is to everything that lives. And feels. Our thinking itself affects the water and the air we breathe. Rationality and thinking are wonderful in themselves. They are an expression of being human and of the capacity for free decision-making that defines human beings. They only become a curse and hubris when they lack love – and reason is limited to a calculation of power and a pursuit of profit at any price. – Perhaps we are beginning to sense how great the true significance of the human being is for the planet, the living soul space of the earth. We are asking ourselves how we can shape the common evolution with the Earth and all its beings in a co-creative sense of partnership – and how necessary it might be to „reasonably“ regard everything that lives as sacred. And to love.

Since these things cannot be grasped by the narrative of rationality, what is obviously needed is a new narrative and imagination – a living vision of being and its evolution – a vision of the future in which a deeper integral understanding of what we call creation and evolution is expressed. And thus a new understanding of ourselves.
As far as I know, this narrative has long been available – and it has numerous sources. It seems they would all lead to a common ethical understanding of the living and the sacred, whose incarnate form is revealed to us anew in, of all things, a great change and transition. The change happens whether we want it to or not – and invites us to recognise ourselves as human beings. – Who are we? Who am I? – I think we need to reflect on the fact that it is not just a cultural change that affects us humans in particular. Rather, it seems that what is happening is an elementary and evolutionary change that is affecting all dimensions of being. The times when we could feel like the rulers of this world are over.

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Actually, it seems to me that nobody really wants change. We just want more or less of something. Real change is not quantitative, it is qualitative. The author also points this out. Change confronts us with transformation, with the unknown and the unknowable. It takes away our control. Man’s insecurity in the face of change is tremendous – and it is also because our materialistic male culture has disconnected itself from the feminine principles of the cyclical, of becoming and passing – its universal laws and its soul-archetypal depth.

The rationality of our dominant civilised culture despises the feminine. And so it also despises the earth – our home. We are culturally blinded – and have lost our heart connection and home. This is bitter. The cultural mechanisms, technologies and narratives we have subscribed to do not give us direction in the terrain of evolution. Quite the opposite – they drag us into confusion and delusion. This is shattering. Especially now!
The author’s blog post points quite precisely to the two perspectives that emerge from the tragic dilemma as a challenge: The question of the causes – and the question of a forward-looking vision and narrative.

I think it is basically obvious that the indifference, cynicism and „no-alternative“ pragmatism with which our civilised culture carries out its work of destruction can only be rooted in a trauma, a collective traumatisation. (Unless one would want to start from the evil in man. – I don’t think that’s a good idea).
This massive traumatisation would have to be revealed to us so that it could be healed.
I sincerely believe that the collective trauma of the dominant civilised cultures is the disconnection from the soul space of nature and the earth that happened about 5,000 years ago. It is the beginning of patriarchal and rational cultural development. This disconnection has uprooted us psychologically and traumatised us deeply. It has betrayed the feminine. And has „had“ to constantly disregard and mistreat it ever since. We humans have lost our paradisiacal planetary soul home and with it our multidimensional soul identity and orientation – and have surrendered ourselves to a cultural development of rationality, domination and control. In many – perhaps even in all – „personal“ traumas this collective traumatisation is reflected – and so they seem to hold an access for us individuals to the great humanity theme of loving reconciliation with the feminine and sacred – and reconnection with the earth and the soul.

If we want to correct this – perhaps necessary – error, we cannot do it in the past – nor in the future – but only in the present. It needs a qualitative change – and it needs to happen in each of us. Every single day. Every single person is a site of change and carries within them the potential for renewal. – But the tragic and insidious thing about trauma is that it is constantly repeated. They are not simply relics of the past. They are effective in the present. Virtually from moment to moment.

Mindfulness captures these moments. Awareness makes decision possible. At any time. We can actually watch ourselves disconnect from all living things with just a single thought. From love. Empathy. Reason. – The future. We can watch ourselves do this so often. And we always have „good“ reasons for doing so. But a „good life“ would look different.

Photo: J. Cammert

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The error of patriarchal materialism might have been a necessary one, we had said. Necessary, perhaps, for the development of consciousness and for the emancipation of man from the paradisiacal dream state of symbiotic connectedness with „Mother Earth“ – so that the emancipated adult human being can fulfil his evolutionary task of striving for the lost paradisiacal state in a conscious and self-aware, new-creative co-creation – and thus prepare and realise the birth space of a new evolution and world. – Wonderful!

Whether this is the end of the pilgrimage or its beginning – in any case, it brings us to our knees. It seems that more and more people are reaching into the new state or dimension of an integral self – while on the other side the manifest „supermaterialised“ space of industrialisation and mechanisation, digitalisation and globalisation of rational materialism is contracting ever more tightly. As if it were turning into a birth canal through which a new world wants to be born.
This birth story would be a vision and narrative that unites change and re-creation. If the birth space of the new is the sacred earth, our planet, then we must learn to love it if we do not want to get stuck in the birth canal. But without reconciliation and union of the feminine and masculine, this new birth is not possible.

The New World. The NEW CHILD. If you become like children, the kingdom of heaven will be opened to you – says an amazing word of Jesus. That would be the end of rationality. But it would also be the end of man’s childhood. For in the „kingdom of heaven“, in the true life of beauty and goodness, we would really be adults.

Plea

Creating a new culture with heart & mind

I choose to embrace change because, after all, there is the possibility that we are writing a new chapter in human history that will allow both, ourselves and our non-human relatives, a more „species-appropriate“ and dignified existence.

For even if in the „western world“, the rich industrial nations, most of us are convinced that we have created the best (most humane) of all cultures that have existed so far – democratic, social, based on the principle of equality and the rule of law – something crucial seems to be missing.

The growing loneliness, an increase in mental and psychosomatic illnesses even in childhood, the unjust distribution of resources within societies, but also within the community of states, the growing aggressiveness in social discourse, the many armed conflicts in the world, the suffering of farm animals, the worldwide extinction of species – do we want to and can we resign ourselves to this?

Or is it perhaps time to get to the bottom of the causes and develop a new vision for living together on the planet?

Yes, I am grateful to live in a country where I am not locked away if I freely express my opinion, nor do I have to fear starvation if I lose my job. But is that enough to speak of a „good“ life? And above all – is that enough to leave our children and grandchildren a habitable earth?

If what we call culture is the way people live and shape their relationships under certain conditions, then „culture“ must also undergo a critical stocktaking from time to time. Especially when it clearly no longer serves a „good“ life.

I have the feeling that the current efforts to „save the climate“ are not only insufficient because the intended goals are usually not achieved. More seriously, in my opinion, the sole focus on reducing CO2 in the atmosphere cannot be the solution, because not only the climate is out of balance, but the entire organism Earth – and we ourselves.

It is stressful for us to witness the destruction of the natural world. Negative messages have a negative impact on the processes in our brain and affect our physical and mental health. Therefore, we need experiences and stimuli that motivate us and prevent us from permanently feeding negative emotions such as despair, anger and fear, thus influencing the process of change in a negative sense.

What does the heart say?

The heart. In our culture, the heart is an organ that pumps blood through our organism. Metaphorically, it stands for the world of feelings and love. We are sceptical about feelings. They seem to contradict logical thinking – and empirical science. At best, they belong to the realm of the arts, or to the private sphere.

However, recent scientific studies show that the heart has a neuronal structure similar to that in our brain and that the heart influences our brain functions. A strong magnetic field emanates from the heart, which influences the nervous system of other living beings. This field can still be measured several metres away from the body. People have known that the heart is the organ through which we relate to the world long before electro-magnetic radiation could be measured.

Whether we love or hate has a great effect on ourselves and our environment (flourishing or withering away).

The common denominator of indigenous cultures is the knowledge of the fundamental interconnectedness of all living beings and the sacredness of all life. The knowledge that every being, even the smallest, fulfils an important task in the structure. The living forces of nature also include the elements of water, earth, air and fire, which are honoured and taken care of. The indigenous world view is not hierarchical. Plants, animals and also the ancestors are „relatives“.

I was very touched by the fact that people of indigenous origin see themselves as „guardians of the earth“. As such, they are currently also present at meetings at the UN and at climate summits and share their view of things. The struggles for „their land“ and their sacred sites continue. Yet these people have a relationship to the land that is very different from ours. When they declare property rights, it is not about wanting to own the land, but about the possibility to protect the land from invasive interventions (fracking, waste disposal, etc.). According to their understanding, you cannot own land because it is alive.

I am convinced that the perspective of indigenous peoples, their wisdom and their knowledge of the ecological interrelationships on this earth can contribute a lot to solving the current problems. And dealing with the inner attitude of these cultures is like an elixir of life for me. In difficult times, when it feels as if everything is only getting worse and worse, then the remembrance of the interconnectedness of all living beings helps me and it feels as if something familiar is coming back to me. There is sadness, of course, but above all affection, joy and yes, – love too.

In „Climate. A New Story“, Charles Eisenstein criticises the fact that the measures to reduce harmful greenhouse gases in the public debate are once again only about numbers and technologies. As if we are not also affected on an emotional level when a forest is cleared and its inhabitants become homeless. Eisenstein encourages readers to allow themselves to be emotionally affected. The forest is much more than a CO2 reservoir. It is alive and when „our“ forest dies, a part of us dies too. Above all, every single being (in the forest and everywhere else) has a value in itself, regardless of its usefulness to us humans. It’s time to stop looking at – and treating – plants and animals like objects. We have known for a long time that „everything feels“. We had to ignore this when we decided to „subdue the earth“. For the reverse process, i.e. the return to the original partnership, the emotional bond is not only „allowed“ but even immensely important.

I feel why this change of perspective is important, every time an encounter with the human or non-human world or a text touches me deeply. When this happens, I feel alive, connected, at home. And I feel the need to attend to what is close to my heart.

Seeing with the heart, speaking from the heart – that means being emotionally connected. And this connectedness is the prerequisite for developing compassion and getting involved. People who are alienated from nature will not have the energy to stand up for it. It seems to me that the all-important question is whether we will be able to lift the feeling of being separate and feel the living world around us again.

I am very grateful that books exist. Books are no substitute for direct experience, but a text that comes from the heart can be a powerful impulse to look at the world from a broader perspective and to open up to new experiences.

I write these lines on a gloomy, rainy November day, knowing that many such days will follow. And although it is to be expected that contacts in the „real world“ will only be possible with many restrictions in the coming months, I welcome this time of „inner contemplation“ because I know that encounters do not only take place on the physical level.

Some authors leave such a deep impression that they become constant companions. For me, Robin Wall Kimmerer (professor of botany and member of the Potawatomi tribe, North America) is one of them. In „Braiding Sweetgrass“, the author gives an insight into her culture, in which people and plants „work together“ in partnership for mutual prosperity. A wonderful book because the author not only has something important to share, but is also a great storyteller.

I plead that we use the dark and cold season to develop a vision, because:

We are what we imagine. Our true existence is in our imagination of ourselves. Our best destiny is to at least fully imagine who and what and that we are. The greatest tragedy that can befall us is to imagine nothing.
(N.Scott Momaday, „The Man Made of Words“, 1970)

Finally, I would like to take this opportunity to invite you again to share your thoughts with the readers of this blog. Comments and also longer text contributions are welcome.

The Mayan Calendar and the Evolution of Consciousness (1)

In the early 2000s, the calendar received a lot of attention because it supposedly predicted the end of the world. After the failure of the catastrophe on 21 December 2012, it has again largely disappeared from the public consciousness. This is regrettable because the widespread misunderstanding that the end of the calendar records in 2012 would be synonymous with the end of the world obscures the view of the actual „message“ of the calendar.

Now, the Mayan calendar is indeed extremely complex and the Tzolkin, which I have been working with for two decades, is only one aspect of the calendar. It would be presumptuous to claim to be an „expert“ in the field. Nevertheless, I would like to elaborate here on some aspects that may help us to look at the difficult time we live in with different eyes, from a – let’s say – cosmic perspective.

If we look at history, we see that decisive social changes are usually accompanied by radical breaks, or in other words, what was valid before is seen as a complete aberration and a departure from certain cultural practices is often enforced with draconian punishments.

An example of this is the departure from traditional herbalism, decreed „from above“, after Christianity had established itself as the valid worldview in our cultural sphere. Proven medicinal herbs were no longer allowed to be used. As an alternative, only prayers were supposed to help with healing. It is hardly surprising that people continued to use herbs – but in secret. And woe betide those who were caught. Of course, these prohibitions were mainly about the complete devaluation and disempowerment of a previously influential population group. In relation to our example, many of those affected were women – healers – whose positive role was virtually reinterpreted into its opposite. Healers became witches. (Of course, it was not exclusively women who were affected, but women in particular were to lose their social status and influence for a very long time).

In many cases, as intended, these forced ruptures have led to „cultural amnesia“. This means that regardless of its usefulness to the community, knowledge has been irretrievably erased and can hardly be reconstructed. 

I think we can count ourselves lucky that several indigenous cultures have preserved large parts of their cultural heritage in spite of everything. This means that we, or rather ethnologists and anthropologists, in conjunction with the evaluation of archaeological finds, can identify commonalities and develop an idea of how our ancestors probably lived and thought.

All over the world, including today’s Europe, people have lived in close partnership with nature for the longest period of their history. In their universe, plants and animals were living beings that were treated with respect. The realisation that everything in nature is related to everything else and that every living thing has a role to play in the ecosystem (interbeing) is deeply embedded in the collective consciousness of humanity and it took some persuasion and not least the massive use of violence to create the illusion of a hierarchically organised creation (with humans at the top).

Today we have reached a point where a large part of the world’s population lives in (mega-) cities and has hardly any contact with the natural world. Therefore, it may seem strange to many people at first to deal with a sign system like the Tzolkin, which refers to animals and natural phenomena (crocodile, wind, night, lizard, snake, death, deer, rabbit, etc.) to describe energetic qualities that play a role in the evolutionary process. On the other hand, animals still play a major role today in explaining the world to children. In most children’s books, the protagonists are animals: the cunning fox, the sly raven, the fearful rabbit, the manipulative snake, the loyal dog – they are all perfectly suited to make abstract concepts vivid and to generate feelings through which the messages of the stories are anchored in our consciousness.

Carl Johan Calleman writes about the Mayan calendar: „A great value of the Mayan calendar is that it equips us with the knowledge of energies that guide evolution. It is a tool that enables us to go with the flow.“

In his book The Mayan Calendar and the Transformation of Consciousness, Calleman examines the extent to which world-shaking historical developments and upheavals are reflected in the Mayan calendar (not in the Tzolkin, but in the Long Count). It becomes clear that each beginning of a new period in the Mayan calendar is accompanied by radical events on earth.

The Mayan calendar with its different counts provides a deeper understanding of development processes that follow a pattern. Let us take for example the development of a human being. In order for a human being to fully develop his or her potential, certain developmental steps must be taken. With each of these steps, new circuitry occurs in the brain that makes the next step possible. If a step is omitted, it affects the entire development. According to the experience of developmental physiologists, a child who for some reason skips crawling and immediately starts walking will have problems in the area of fine motor skills.

Knowing about the different stages from potential to concrete idea to its manifestation in the real world requires a deepened awareness, or in other words – an awareness, of what we are doing and what needs to be considered.

Such a view relativises the question of guilt. If we assume that all historical developments are inevitable steps on the way to the evolution of consciousness, then an insistence on blame is not helpful because it divides humanity. This does not mean that crimes such as genocide, racism or the destruction of the environment do not need to be recognised and named as such. Destructive acts remain destructive acts. But the perspective offered by the Mayan calendar allows people (and cultures) to reach out to each other again and take responsibility together for the future of humanity.

For me, the calendar has helped to breathe life into abstract concepts such as devotion, grace or forgiveness, because their meaning makes sense in terms of our personal development, but also in terms of global phenomena.

I would like to illustrate this with an example.

Her understanding of forgiveness coincides with the quality assigned to the term in the Mayan calendar. Forgiveness here means stepping out of the role of victim and taking back one’s (creative) power. In the Mayan calendar, the term forgiveness is closely related to the quality of the „cosmic intelligence“, day sign owl or vulture (depending on the region), the 16th of the 20 archetypes.

It is an added benefit that the Mayan calendar encourages us to engage with the idiosyncrasies and qualities of natural phenomena, thereby reviving our connection to the natural world. Nowadays, we don’t even need to go to the zoo to study animals. There is plenty of literature and film documentaries.

To be continued.

Sources:

Carl Johan Calleman, Der Maya Kalender und die Transformation des Bewusstseins, EU Verlag

Kenneth Johnson: Die Weisheit des Jaguar, Hugendubel Verlag

Magda Wimmer: Die Maya. Weber der Zeit. Spieler des Universums, Goldmann Verlag

Internet:

Der Maya Kalender und die Entwicklung des Bewusstseins (1)

Anfang der 2000er Jahre erhielt der Kalender viel Aufmerksamkeit, weil er angeblich das Ende der Welt vorhersagt. Nach dem Ausbleiben der Katastrophe am 21. Dezember 2012 ist er wieder weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Das ist bedauerlich, weil das weit verbreitete Missverständnis, das Ende der Kalenderaufzeichnungen im Jahr 2012 wäre gleichbedeutend mit dem Untergang der Welt, den Blick auf die eigentliche „Botschaft“ des Kalenders verstellt.

Nun ist der Mayakalender überaus komplex und der Tzolkin, mit dem ich mit seit zwei Jahrzehnten beschäftige, nur ein Aspekt des Kalenders. Es wäre vermessen, zu behaupten, eine „Expertin“ auf dem Gebiet zu sein. Gleichwohl möchte ich hier auf einige Aspekte näher eingehen, die möglicherweise dabei helfen können, die schwierige Zeit, in der wir leben, mit anderen Augen zu betrachten, aus einer – sagen wir – kosmischen Perspektive.

Wenn wir uns die Geschichte der Menschheit anschauen, dann sehen wir, dass entscheidende gesellschaftliche Veränderungen meist mit radikalen Brüchen einhergehen, oder anders gesagt, was vorher gültig war, wird als kompletter Irrweg betrachtet und eine Abkehr von bestimmten kulturellen Praktiken wird häufig mit drakonischen Strafen erzwungen.

Exemplarisch dafür ist die „von Oben“ verordnete Abkehr von der traditionellen Heilkräuterkunde, nachdem sich das Christentum in unserem Kulturkreis als gültige Weltanschauung durchgesetzt hatte. Bewährte Heilkräuter durften nicht mehr angewendet werden. Alternativ sollten nun einzig Gebete bei der Heilung helfen. Es ist kaum verwunderlich, dass die Menschen weiterhin Kräuter verwendeten – allerdings in aller Heimlichkeit. Und wehe denen, die erwischt wurden. Es ging bei diesen Verboten natürlich vor allem um die komplette Entwertung und Entmachtung einer zuvor einflussreichen Bevölkerungsgruppe. In Bezug auf unser Beispiel waren viele Betroffene Frauen – Heilerinnen – deren positive Rolle geradezu in ihr Gegenteil umgedeutet wurde. Aus Heilerinnen wurden Hexen. Betroffen waren natürlich nicht ausschießlich Frauen, aber insbesondere Frauen sollten ihren gesellschaftlichen Status für sehr lange Zeit einbüßen und ihren Einfluss verlieren.

In vielen Fällen haben diese erzwungenen Brüche, wie beabsichtigt, zu einer „kulturellen Amnesie“ geführt. Das bedeutet, dass ungeachtet seines Nutzens für die Gemeinschaft, Wissen unwiederbringlich ausgelöscht wurde und sich kaum mehr rekonstruieren lässt.

Ich denke, wir können uns glücklich schätzen, dass etliche indigene Kulturen trotz allem Teile ihres kulturellen Erbes bewahrt haben. Dadurch können wir, beziehungsweise Ethnolog*innen und Anthropolog*innen, in Verbindung mit der Auswertung archäologischer Funde, Gemeinsamkeiten ausmachen und eine Vorstellung entwickeln, wie unsere Vorfahren vermutlich gelebt und gedacht haben.

Überall auf der Welt, also auch im heutigen Europa, haben die Menschen über den längsten Zeitraum ihrer Geschichte in enger Partnerschaft mit der Natur gelebt. In ihrem Universum waren Pflanzen und Tiere Lebewesen, denen man mit Respekt begegnete. Die Erkenntnis, dass in der Natur alles mit allem in Beziehung steht und jedes Lebewesen eine Bedeutung für das Ökosystem hat, ist tief im kollektiven Bewusstsein der Menschheit verankert und es bedurfte einiger Überzeugungsarbeit und nicht zuletzt des massiven Einsatzes von Gewalt, um die Illusion einer hierarchisch organisierten Schöpfung (mit dem Menschen an der Spitze) zu erzeugen.

Wir sind heute an einem Punkt angelangt, an dem ein Großteil der Weltbevölkerung in (Mega-) Städten lebt und kaum Kontakt mit der natürlichen Welt hat. Deshalb kommt es vielen Menschen zunächst vielleicht befremdlich vor, sich mit einem Zeichensystem wie dem Tzolkin zu beschäftigen, das sich auf Tiere und Naturphänomene (Krokodil, Wind, Nacht, Eidechse, Schlange, Tod, Hirsch, Kaninchen, etc.) bezieht, um energetische Qualitäten zu beschreiben, die im evolutionären Prozess eine Rolle spielen. Andererseits spielen Tiere auch heute noch eine große Rolle, wenn es darum geht, Kindern die Welt zu erklären. In den meisten Kinderbüchern sind die Protagonisten Tiere: der listige Fuchs, der schlaue Rabe, der ängstliche Hase, die manipulative Schlange, der loyale Hund – sie alle eignen sich hervorragend, um abstrakte Begriffe anschaulich zu machen und Gefühle zu erzeugen, über die die Botschaften der Geschichten in unserem Bewusstsein verankert werden.

Carl Johan Calleman schreibt über den Mayakalender: „Ein großer Wert des Mayakalenders liegt darin, dass er uns mit dem Wissen über Energien ausstattet, die die Evolution lenken. Er ist ein Werkzeug, das uns befähigt mit dem Fluss zu gehen.“

In seinem Buch vertritt er die These, dass es nicht der Mensch ist, der den Verlauf der Evolution bestimmt, sondern dass es kosmische Energien sind, die unser Denken und Fühlen beeinflussen. Genau genommen sind wir aus dieser Perspektive betrachtet ein Werkzeug der Evolution.

Der Mayakalender mit seinen verschiedenen Zählungen vermittelt ein tieferes Verständnis von Entwicklungsprozessen, die einem Muster folgen. Nehmen wir zum Beispiel die Entwicklung eines Menschen. Damit ein Mensch sein Potenzial voll entfalten kann müssen bestimmte Entwicklungsschritte vollzogen werden. Bei jedem dieser Schritte erfolgen neue Verschaltungen im Gehirn, die den nächsten Schritt ermöglichen. Wird ein Schritt ausgelassen, wirkt sich das auf die gesamte Entwicklung aus. Ein Kind, das aus irgendeinem Grund das Krabbeln auslässt und gleich mit dem Laufen beginnt, wird, so die Erfahrung von Entwicklungsphysiologen, Probleme im Bereich der Feinmotorik haben.

Das Wissen um diese Schritte ist eine hilfreiche Orientierung, zum Beispiel, wenn wir Kinder bei der Entfaltung ihres Potenzials unterstützen wollen. Es lässt sich aber auch auf andere Lebensbereiche anwenden, zum Beispiel auf Projekte. Die Kenntnis über die verschiedenen Stadien vom Potenzial über die konkrete Idee bis hin zu ihrer Manifestation in der realen Welt erfordert ein vertieftes Gewahrsein, oder anders gesagt – ein Bewusstsein, für das, was wir tun und was im Prozess der Gestaltwerdung zu berücksichtigen ist.

Eine solche Sichtweise relativiert die Schuldfrage. Wenn wir davon ausgehen, dass alle historischen Entwicklungen unvermeidbare Schritte auf dem Weg zur Entwicklung des Bewusstseins sind, dann ist ein Bestehen auf Schuldzuweisungen nicht hilfreich, weil es die Menschheit spaltet.

Das bedeutet nicht, dass Verbrechen wie Völkermord, Rassismus oder die Zerstörung der Umwelt nicht als solche erkannt und benannt werden müssen. Destruktive Handlungen bleiben destruktive Handlungen. Aber die Perspektive, die der Mayakalender anbietet, erlaubt es Menschen (und Kulturen) wieder aufeinander zuzugehen und gemeinsam die Verantwortung für die Zukunft der Menschheit zu übernehmen.

Mir hat der Kalender geholfen, abstrakten Begriffen wie Hingabe, Anmut oder Vergebung, Leben einzuhauchen, weil sie in ihrer Bedeutung im Hinblick auf unsere persönliche Entwicklung, aber auch im Hinblick auf globale Phänomene einen nachvollziehbaren Sinn ergeben.

Ich möchte das an einem Beispiel veranschaulichen.

Ihr Verständnis von Vergebung deckt sich mit der Qualität, die dem Begriff im Mayakalender zugewiesen wird. Vergeben heißt hier, aus der Opferrolle herauszutreten und sich die eigene (Gestaltungs-)Kraft zurückzuholen.

Im Mayakalender steht der Begriff Vergebung in enger Beziehung zur Qualität der „kosmischen Intelligenz“, Tageszeichen Eule oder Geier (abhängig von der geografischen Region), dem 16. der 20 Archetypen.

Es ist ein zusätzlicher Gewinn, dass der Mayakalender dazu anregt, sich mit den Eigenheiten und Qualitäten natürlicher Phänomene zu beschäftigen und dadurch die Verbindung zur natürlichen Welt wiederzubeleben. Heutzutage brauchen wir nicht mal in den Zoo zu gehen, um Tiere zu studieren. Es gibt reichlich Literatur und Film-Dokumentationen.

Fortsetzung folgt.


Literatur:

Carl Johan Calleman, Der Maya Kalender und die Transformation des Bewusstseins, EU Verlag

Kenneth Johnson: Die Weisheit des Jaguar, Hugendubel Verlag

Magda Wimmer: Die Maya. Weber der Zeit. Spieler des Universums, Goldmann Verlag

Internet

Saq‘ Be‘: Organization for Mayan and Indigenous Spiritual Studies

Nachdenken über Kultur und Kunst in diesen Zeiten

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.
(chinesisches Sprichwort)

Kultureinrichtungen und Kulturschaffenden geht es dieser Tage nicht gut. Was die Kulturschaffenden vor allem beklagen ist die mangelnde Wertschätzung, die dem Kulturbereich seitens der Politik entgegengebracht wird. Während Menschen wieder in voll besetzten Flugzeugen ins Ausland reisen, fehlen den Bühnen, Galerien, Kinos und Museen trotz gut durchdachter Hygienekonzepte die Öffnungsperspektiven.

Sind kulturelle Erzeugnisse verzichtbar? Und was verstehen wir eigentlich unter Kultur?

Menschen bevölkern den gesamten Planeten und siedeln an den unwirtlichsten Orten. Das können sie nur, weil sie in der Lage sind, sich auf die jeweiligen Umweltbedingungen einzustellen. Das, was wir Kultur nennen, ist die Art und Weise, wie die Menschen unter diesen Bedingungen leben, also wie sie sich ernähren, welche Behausungen sie bewohnen, wie ihre Gemeinschaften organisiert sind, um nur einige Beispiele zu nennen. Es liegt auf der Hand, dass die vielfältigen Lebensbedingungen eine Vielfalt an Kulturen hervorgebracht haben. Und es liegt ebenfalls auf der Hand, dass sich Kulturen verändern, wenn sich die äußeren Bedingungen verändern. Das können klimatische Veränderungen sein oder auch ein exponentielles Wachstum der Bevölkerung, wie wir es seit dem Entstehen der Landwirtschaft erleben. Die vielfältigen kulturellen Anpassungen haben ihren Ursprung in der kreativen Natur des Menschen und beruhen im Wesentlichen auf der menschlichen Vorstellungskraft.

Die Kultur, in der wir aufwachsen, vermittelt uns ein Weltbild, das uns in der Regel ein Leben lang begleitet. Es prägt unsere Wahrnehmung und unsere Beziehung zur Welt und mehrheitlich sind wir erst dann bereit, es zu hinterfragen, wenn die äußeren Bedingungen uns keine andere Wahl lassen. Das erklärt vielleicht, warum so viele Erkenntnisse, die wir den Wissenschaften zu verdanken haben, Jahrzehnte brauchen, um ins öffentliche Bewusstsein zu gelangen und sich in unserer Lebensweise widerzuspiegeln.

Die Esskultur eignet sich in besonderer Weise, um kulturellen Wandel sichtbar zu machen. Dieser Bereich unserer Kultur ist auch deshalb interessant, weil unsere Ernährungsgewohnheiten Auskunft über unsere Beziehung zur (nicht-menschlichen) Welt geben. Ich denke dabei an die stillschweigende Akzeptanz der Massentierhaltung. Deren Grausamkeit und Klimaschädlichkeit ist gegenwärtig auch in den Medien ein großes Thema. Der Fleischkonsum ist hierzulande in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dazu beigetragen haben nicht zuletzt experimentierfreudige Köch*innen und Ernährungswissenschaftler*innen, die uns von tief im Unterbewusstsein verankerten falschen Annahmen befreien. Während Wissenschaftler*innen Nahrungsmittel im Hinblick auf unsere Gesundheit erforschen, ist das Anliegen von Köch*innen, Nahrung (auch fleischlose) so zuzubereiten, dass die Nahrungsaufnahme auch in Zukunft ein sinnliches Erlebnis bleibt.

Wissenschaft und Kulturschaffen gehen immer und überall Hand in Hand. Und an dieser Stelle ist mir wichtig zu betonen, dass wir alle Kulturschaffende sind, insofern wir auf der Grundlage unserer Erfahrungen und der Informationen, die uns zugänglich sind, unsere Verhaltensweisen modifizieren und neue Gewohnheiten etablieren, die dann vielleicht irgendwann kultureller Standard werden.

Daran, dass sich unser Blick auf die Welt verändert, haben viele Akteur*innen aus unterschiedlichen Disziplinen ihren Anteil. Da sind diejenigen, die forschen und Neues zu Tage bringen, diejenigen, die darüber schreiben, Filme machen oder in Talk Shows auftreten, damit die Neuigkeiten Verbreitung finden, und ganz wichtig: Menschen, die sich Gedanken darüber machen, was die Erkenntnisse für ihr eigenes Leben, ihren Alltag bedeuten und mit neuen Gewohnheiten experimentieren. Also wir alle. Da sind die Künstler*innen, die mit uns teilen, wie sie die Welt wahrnehmen und uns für den Moment verzaubern, verwirren, etwas in uns auslösen, uns zum Nachdenken anregen und/oder neue Perspektiven aufzeigen.

Kulturschaffen ist ein lebendiger Prozess, der Akteur*innen braucht, die sich gegenseitig inspirieren. Kreative Energie braucht Impulse.

In der Corona-Zeit hat mir die Lektüre interessanter Texte sehr dabei geholfen, nicht zu vereinsamen und nicht zu vergessen, dass wir mitten in einem Prozess stecken, in dem jede*r von uns auf ihre/seine Art Einfluss auf den Verlauf nehmen kann. In einer Zeit, in der es in den Medien kaum ein anderes Thema als die Pandemie gibt, haben mich Autor*innen mit auf die Reise zu den Anfängen der Menschheit genommen, mich an ihren Naturerfahrungen teilhaben lassen und meine Neugier auf die Welt lebendig gehalten. Kulturelle Erzeugnisse (derzeit vor allem frei zugängliche wie Bücher, Filme, Radio- und Blogbeiträge) sind in dieser Zeit wichtiger denn je, denn sie können die Gedanken in eine konstruktive Richtung lenken, während beinahe jedes Gespräch, ob im Freien oder am Telefon nach kurzer Zeit um das Thema Corona kreist. Unser Blick hat sich verengt und sinnliche Ereignisse sind rar geworden. Deshalb sind Inspirationen ein Lebenselexier.

Sinnliche Erlebnisse sind immens wichtig. Das Gehirn braucht Momente der Absichtslosigkeit und der Stimulation, damit neue Verknüpfungen und neue Bilder entstehen können.

Der Kulturbereich schafft solche Räume, die schöpferisches Denken ermöglichen.

Irgendwann wird Corona aus den Schlagzeilen verschwunden sein. Das ändert jedoch nichts an der Notwendigkeit, unsere Lebensgewohnheiten radikal zu verändern. Gut, dass bereits jetzt viele Menschen neue Ideen und Konzepte entwickeln und erproben. Künstler*innen und Forscher*innen sind dafür prädestiniert, Impulse zu setzen. Ihre Haltung ist die von Suchenden.

„Jeder schöpferische Akt ist eine Auflehnung gegen die Wirklichkeit, die uns vertraut ist. Wer die Welt verändern will, muss imstande sein zu sehen, was nicht ist aber sein könnte.“ ( Stefan Klein, Wie wir die Welt verändern)

Bedauerlicherweise glauben immer noch zu viele Menschen, dass es besonderer, angeborener Fähigkeiten bedarf, um an der Mitgestaltung der Welt teilzuhaben. Man hat uns beigebracht, dass es zwei Arten von Menschen gibt: auf der einen Seite ganz wenige Begabte, die sogenannten Leistungsträger*innen der Gesellschaft (meist Männer) – auf der anderen Seite die große Masse der durchschnittlichen Bürger*innen, deren Mitwirkung im großen und ganzen darin besteht, „die Mühle am Laufen zu halten“.

1981 habe ich, zusammen mit einem Freund, in den Rheinhallen der Kölner Messe die beeindruckende Ausstellung „Westkunst“ besucht. Gezeigt wurde zeitgenössische Kunst nach 1939 und vertreten war alles, was in der Kunstszene „Rang und Namen“ hat. Im Eingangsbereich hing unübersehbar eine große Schrifttafel, auf der zu lesen war:

„Jeder Mensch ist ein Künstler.“ (Joseph Beuys)

Ich erinnere mich, dass wir eine rege Diskussion geführt haben. Im Kern ging es um die Frage, wer sich „Künstler*in“ nennen darf, beziehungsweise was eine(n) Künstler*in ausmacht. In einer Gesellschaft, die auf Vergleich und Konkurrenz setzt und in der jeder Mensch etwas Besonderes sein möchte (inklusive der entsprechenden gesellschaftlichen Anerkennung in Form von Ruhm und Geld) muss Erfolg exklusiv sein.

Heute, 40 Jahre später, scheint sich in unserer Denkweise ein Wandel abzuzeichnen. Wir beginnen zu begreifen, dass Intelligenz und Kreativität weniger auf genetische Anlagen zurückzuführen sind als auf die Erfahrungen, die ein Mensch macht, und welche Möglichkeitsräume ihm sein Umfeld eröffnet. Dabei spielt das soziale Miteinander eine entscheidende Rolle.

„Ideen machen den Menschen zum Menschen. Aber woher kommen unsere Ideen? Der schöpferische Verstand, der uns gegenüber allen Geschöpfen der Natur und gegenüber künstlichen Intelligenzen hervorhebt, gilt immer noch als die rätselhafteste Eigenschaft unseres Wesens. (…) Nun aber zeigen Hirnforschung, Kognitionswissenschaften und neue archäologische Funde aus der fernen Vergangenheit, was uns einfallsreich macht: Ideen entstehen nicht in einzelnen Köpfen, sondern in unserem Zusammenleben. Kreativität lässt sich entfesseln.“ ( Stefan Klein, Wie wir die Welt verändern)

Wir brauchen einander und gemeinsame Aktivitäten und Herausforderungen, um unser Potenzial zu entfalten und unseren spezifischen Beitrag zu leisten. Jeder Mensch ist ein Unikat. Ebenso jedes andere Lebewesen auf diesem Planeten. Die Lebensprozesse auf der Erde erschaffen als Resultat permanenter Vermischung eine schier unerschöpfliche Fülle von Lebenswelten. Man spricht derzeit auch von der Koevolution von Pflanzen, Tieren und Menschen.

Ich bin dankbar dafür, in einer Zeit zu leben, in der immer mehr Menschen das Bedürfnis spüren, sich selbst als Teil eines globalen Netzwerks des Lebendigen zu erfahren. Das sind wir immer gewesen. Allerdings erzeugt die Lebensweise der letzten Jahrhunderte ein Gefühl des Getrennt-Seins, eine Aufteilung in wertvolles und wertloses Leben, in Herrschende und Beherrschte.

Es ist jetzt an uns, zu entscheiden, welchen Weg wir einschlagen. Wir können uns darauf besinnen, dass Kooperation uns als Spezies so erfolgreich gemacht hat. Wir können beginnen, uns selbst mehr zu vertrauen und uns einzubringen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Das Internet ermöglicht einen nie zuvor dagewesenen Austausch mit der ganzen Welt – in Echtzeit. Informationen verbreiten sich in Windeseile. Jede*r kann sich zu Wort melden. Überall entstehen Bewegungen „von Unten“, die vor allem eines fordern: die Teilhabe an den wichtigen Entscheidungen, die uns alle betreffen. Weltweit versuchen Menschen, sich der autokratischen Machthaber zu entledigen. Aber so leicht ist es eben nicht, die patriarchalen Strukturen zu überwinden. Rückschläge sind vorprogrammiert.

Und dennoch – der Geist ist aus der Flasche.

Wie einst die Erfindung des Buchdrucks zur Verbreitung von Wissen beigetragen und die Gesellschaften nachhaltig verändert hat, so läutet jetzt die Digitalisierung ein neues Zeitalter ein.

Wie alles hat natürlich auch die inflationäre Verbreitung von Informationen Schattenseiten. Ein „zu Viel“ kann leicht zur Überforderung führen und wir können dem Sog erliegen, von einer Information zur nächsten zu springen, ohne uns mit einem Thema intensiver zu beschäftigen. Und wenn sich jede*r zu Wort melden kann sind „Fakenews“ unvermeidbar. Gerade deshalb sind Debattenräume so wichtig.

„Was wir benötigen, sind keine verordneten Formeln, keine vorgekauten simplen Antworten, sondern inklusive, transparente Diskussionen um die Zukunft unserer Gesellschaft.“ (Kübra Gümüşay, Sprache und Sein)

Ich sehe uns am Scheideweg. Der Wind der Veränderung rüttelt mächtig an den Grundpfeilern unserer christlich geprägten Kultur. Die Wissenschaft stellt klar, dass der Begriff „Rasse“ ein unbrauchbares Konstrukt ist. Es gibt nur eine Menschheit. Menschen, unterscheiden sich voneinander, weil sie sich jeweils optimal an ihre Umwelt angepasst haben.

Die Geschlechterrollen werden von immer mehr Menschen als zu einengend empfunden, die Sprache verändert sich, das Gendern wird zusehends selbstverständlicher. Vermutlich wird das Gendern überflüssig, wenn das Anliegen dahinter in der Gesellschaft angekommen ist. Der Missbrauchsskandal in der Kirche offenbart, dass das Festhalten an einer Moral, die wider die (menschliche) Natur ist, fatale Konsequenzen hat, wie auch die die falsche Annahme, dass der Mensch über der Natur stehe, und „sich die Erde untertan“ machen solle. Wohin das geführt hat sehen wir heute in aller Deutlichkeit.

Diese große Desillusionierung eröffnet einen Möglichkeitsraum, den wir als Kulturschaffende mitgestalten können.

Wir alle. Mit den Entscheidungen, die wir täglich treffen.

Reflecting on culture and art in these times

„When the wind of change blows, some build walls and others windmills.“
(Chinese proverb)

Cultural institutions and cultural workers are not doing well these days. What the cultural workers complain about above all is the lack of appreciation shown to the cultural sector by politicians. While people are once again travelling abroad in packed planes, the stages, galleries, cinemas and museums are lacking opening perspectives despite well thought-out hygiene concepts.

Are cultural products dispensable? And what do we actually understand by culture?

Humans populate the entire planet and settle in the most inhospitable places. They can only do this because they are able to adapt to the respective environmental conditions. What we call culture is the way people live under these conditions, i.e. how they feed themselves, what dwellings they inhabit, how their communities are organised, to name just a few examples. It is obvious that the diverse living conditions have produced a diversity of cultures. And it is also obvious that cultures change when external conditions change. This can be climatic changes or exponential population growth, as we have experienced since the emergence of agriculture. The diverse cultural adaptations have their origin in the creative nature of humans and are essentially based on the human imagination.

The culture in which we grow up imparts to us a view of the world that usually accompanies us throughout our lives. It shapes our perception and our relationship to the world, and most of us are only prepared to question it when external conditions leave us no other choice. This perhaps explains why so many insights that we owe to the sciences take decades to enter the public consciousness and are reflected in our way of life.

Food culture is particularly suitable for making cultural change visible. This area of our culture is also interesting because our eating habits provide information about our relationship to the (non-human) world. I am thinking of the tacit acceptance of factory farming. Its cruelty and harmfulness to the climate is currently a major topic in the media. Meat consumption in this country has declined significantly in recent years. This is due in no small part to cooks and nutritionists who are willing to experiment and free us from false assumptions that are deeply anchored in our subconscious. While scientists research food with regard to our health, the concern of cooks is to prepare food (also meatless food) in such a way that food intake remains a sensual experience in the future.

Science and culture creation always and everywhere go hand in hand. And at this point it is important for me to emphasise that we are all creators of culture, insofar as we modify our behaviour and establish new habits on the basis of our experiences and the information that is available to us, which may then eventually become the cultural standard.

Many actors from different disciplines have a share in the fact that our view of the world is changing. There are those who do research and bring new things to light, those who write about them, make films or appear on talk shows to spread the news, and most importantly, people who think about what the findings mean for their own lives, their everyday lives, and experiment with new habits. So all of us. There are the artists who share with us how they perceive the world and enchant us for the moment, confuse us, trigger something in us, make us think and/or show us new perspectives.

Cultural creation is a living process that needs actors who inspire each other. Creative energy needs impulses.

During the Corona period, reading interesting texts helped me not to become lonely and to remember that we are in the middle of a process in which each of us can influence the course in his or her own way. At a time when there is hardly any other topic in the media than the pandemic, authors have taken me on a journey to the beginnings of humanity, shared their experiences of nature and kept my curiosity about the world alive. Cultural products (currently especially freely available ones such as books, films, radio and blog posts) are more important than ever at this time, because they can steer thoughts in a constructive direction, while almost every conversation, whether outdoors or on the phone, after a short while revolves around the topic of Corona. Our view has narrowed and sensual events have become rare. That is why inspirations are an elixir of life.

Sensory experiences are immensely important. The brain needs moments of purposelessness and stimulation so that new connections and new images can emerge.

The cultural sector creates such spaces that enable creative thinking.

At some point, Corona will disappear from the headlines. However, this does not change the need to radically change our lifestyles. It is good that many people are already developing and testing new ideas and concepts. Artists and researchers are predestined to set impulses. Their attitude is that of seekers.

„Every creative act is a rebellion against the reality that is familiar to us. Whoever wants to change the world must be able to see what is not but could be.“ ( Stefan Klein, How we change the world)

Unfortunately, too many people still believe that it takes special, innate abilities to participate in shaping the world. We have been taught that there are two kinds of people: on the one hand, a very few gifted people, the so-called high achievers of society (mostly men) – on the other hand, the great mass of average citizens whose participation consists largely of „keeping the mill running“

In 1981, together with a friend, I visited the impressive exhibition „Westkunst“ in the Rheinhallen of the Cologne Fair. Contemporary art after 1939 was on display and everything of „rank and name“ in the art scene was represented. In the entrance area, there was a large sign that could not be overlooked:

„Every human being is an artist.“ (Joseph Beuys)

I remember that we had a lively discussion. In essence, it was about the question of who is allowed to call themselves an „artist“, or what constitutes an artist. In a society that relies on comparison and competition and in which everyone wants to be something special (including the corresponding social recognition in the form of fame and money), success must be exclusive.

Today, 40 years later, there seems to be a change in our way of thinking. We are beginning to realise that intelligence and creativity are less the result of genetic predispositions than of the experiences a person has and the opportunities his or her environment opens up. Social interaction plays a decisive role in this.

„Ideas make people people. But where do our ideas come from? The creative mind, which sets us apart from all creatures of nature and from artificial intelligences, is still considered the most enigmatic quality of our being. (…) Now, however, brain research, cognitive science and new archaeological finds from the distant past show what makes us imaginative: Ideas are not born in individual minds, but in our lives together. Creativity can be unleashed.“ (Stefan Klein, How We Change the World)

We need each other and common activities and challenges to develop our potential and make our specific contribution. Every human being is unique. So is every other living being on this planet. The life processes on earth create an almost inexhaustible abundance of life worlds as a result of permanent mixing. At present, we also speak of the co-evolution of plants, animals and humans.

I am grateful to live in a time when more and more people feel the need to experience themselves as part of a global network of the living. That is what we have always been. However, the way of life of the last centuries creates a sense of separateness, a division into valuable and worthless life, into rulers and ruled.

It is now up to us to decide which path to take. We can reflect on the fact that cooperation has made us so successful as a species. We can start to trust ourselves more and get involved. The conditions for this are there. The internet enables unprecedented exchange with the whole world – in real time. Information spreads in the blink of an eye. Anyone can have their say. Movements „from below“ are emerging everywhere, demanding one thing above all: participation in the important decisions that affect us all. All over the world, people are trying to get rid of autocratic rulers. But overcoming patriarchal structures is not that easy. Setbacks are inevitable.

And yet – the spirit is out of the bottle.

Just as the invention of printing once contributed to the spread of knowledge and changed societies permanently, digitalisation is now ushering in a new era.

Like everything, of course, the inflationary dissemination of information has its downsides. Too much“ can easily lead to overload and we can succumb to the pull of jumping from one piece of information to the next without taking a closer look at a topic. And if everyone can have their say, „fakenews“ are inevitable. This is precisely why debate spaces are so important.

„What we need are no prescribed formulas, no pre-chewed simple answers, but inclusive, transparent discussions about the future of our society“. (Kübra Gümüşay, Language and Being)

Always remember you matter, you´re important and you are loved, and you bring to this world things no one else can.(Charlie Mackesy)

I see us at a crossroads. The winds of change are shaking mightily at the pillars of our Christian-based culture. Science is making it clear that the term „race“ is a useless construct. There is only one humanity. Humans, differ from each other because they have each adapted optimally to their environment.

More and more people feel that gender roles are too restrictive, language is changing, and gendering is becoming more and more self-evident. Presumably, gendering will become superfluous when the concern behind it has arrived in society. The abuse scandal in the church reveals that adherence to a morality that is against (human) nature has fatal consequences, as does the false assumption that man is above nature and should „subdue the earth“. Today, we can clearly see where this has led.

This great disillusionment opens up a space of possibility that we as cultural workers can help to shape.

All of us. With the decisions we make every day.