Lesestoff / Inspirationen

Es ist mir ein Bedürfnis, mich an dieser Stelle bei all den Autorinnen und Autoren zu bedanken, die dazu beigetragen haben, mir neue Horizonte zu eröffnen. In den letzten Jahren interessieren mich zunehmend die aktuellsten (populär-)wissenschaftlichen Beiträge und Bücher zu Themen wie Biologie, Ökologie, Hirnforschung und Anthropologie. Auch hier weht ein frischer Wind.

Eine kleine Auswahl der Bücher, die mich nachhaltig beschäftigen, möchte ich hier vorstellen.
Some of the authors are also available in English. Please check for yourself.

Gemeinsam ist allen Büchern, dass sich die Autor*innen nicht hinter einer Fassade der Gelehrsamkeit verstecken, indem sie möglichst viele Fremdwörter und eine komplizierte Sprache verwenden und damit viele potenzielle Leser*innen verprellen. Offensichtlich haben die Autor*innen eine Botschaft (natürlich nicht alle dieselbe), die möglichst viele Leser*innen erreichen soll. Dabei sind sie durchweg begeistert von dem Stoff, über den sie schreiben und geben sich als anteilnehmende Subjekte zu erkennen. Damit will ich nicht sagen, dass die Sachverhalte immer ganz einfach zu verstehen sind, aber das Bemühen, komplexe Themen verständlich, mitunter sogar unterhaltsam darzustellen, ist offensichtlich. Diese Art Literatur ist wichtig, weil sie eine Mittlerrolle einnimmt und dazu beiträgt, dass die breite Öffentlichkeit darüber in Kenntnis gesetzt wird, woran in verschiedenen Disziplinen derzeit geforscht wird und inwieweit diese Erkenntnisse zu einem Perspektivwechsel beitragen und Einluss auf unser Leben haben (werden). Auch geben sie uns eine Idee davon, welche Möglichkeiten, aber auch welche Risiken manche Entwicklungen mit sich bringen. Ich denke dabei zum Beispiel an das aktuelle Thema Digitalisierung.

Das letzte Buch in der Liste, Sprache und Sein von Kübra Gümüşay, war in vielerlei Hinsicht eine kleine Offenbarung. Zum einen, weil es der Autorin gelingt, eine Sprache zu finden, die sowohl analytisch als auch persönlich ist und damit beispielhaft demonstriert, wie ein „neues Sprechen“ aussehen könnte. Zum anderen hat mir die Autorin in einem Punkt die Augen geöffnet. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf ein zentrales Dilemma unserer Zeit, in der rechtsradikale Kräfte Boden gewinnen und ihre Vertreter*innen wieder in den Parlamenten sitzen – und die Debattenkultur in einem Maße bestimmen, das erschreckend ist. Der Beifall von Rechts reicht mittlerweile schon aus, um Menschen, die vollkommen andere Werte vertreten, zu diskreditieren und sich mit ihren Argumenten nicht auseinanderzusetzen. Und dabei wäre genau das jetzt wichtig, um die Polarisierung in der Gesellschaft nicht noch weiter voranzutreiben.

Ich beginne die Auswahl mit einem Buch, das mich seinerzeit tief berührt und mein Interesse an naturwissenschaftlichen Sachbüchern geweckt hat. Auf Titel, Autor und Erscheinungsdatum folgt jeweils ein Zitat aus dem Buch.

Alles fühlt. Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften. (Andreas Weber, Berliner Taschenbuch Verlag, Erstveröffentlichung 2007)
„Dieses Buch wendet sich gegen die naturwissenschaftliche Entzauberung der Welt. Doch es versucht nicht, der „wissenschaftlichen“ Weltsicht eine irrationale Alternative entgegenzuhalten.(…) Ich propagiere auf diesen Seiten keinen Abschied von der Wissenschaft, sondern eine Wissenschaft des Herzens“.

BIOKAPITAL. Die Versöhnung von Ökonomie, Natur und Menschlichkeit (Andreas Weber, Berlin Verlag, 2008)
„Wir können unsere Marktwirtschaft schon heute so verwandeln, dass sie der Natur hilft und uns zufriedener macht. Der Weg zu einer glücklicheren Gesellschaft heißt nicht Buße und Verzicht – sondern ein Hin zur wahren Menschlichkeit. Das ist das Thema des Buches.“

Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur. (Andrea Wulf, Penguin Verlag, Erstveröffentlichung 2015)
„Die Erde erschien ihm (Humboldt) als ein riesiger Organismus, in dem alles mit allem in Verbindung stand – eine mutige, neue Sicht der Natur, die noch immer beeinflusst, wie wir heute unsere Umwelt sehen und begreifen.“

Die Intelligenz der Pflanzen (Stefano Mancuso, Alessandra Viola, Verlag Kunstmann, 2015)
„Wie neuere Forschungen zeigen, besitzen Pflanzen nicht nur Empfindungs- und Sinnesvermögen, sondern können auch untereinander und mit Tieren kommunizieren, schlafen, sich erinnern und sogar das Verhalten anderer Arten beeinflussen.“

Die Sprache der Tiere. Wie wir einander besser verstehen (Karsten Brensing, aufbau Verlag, 2018)
„Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie Tiere besser verstehen, und wenn Sie dann richtig kommunizieren werden Sie auch besser verstanden werden.“

Das geheime Netzwerk der Natur (Peter Wohlleben, Verlag Ludwig, 2017)
„Die Natur ist wie ein großes Uhrwerk. Alles ist übersichtlich geordnet und greift ineinander, jedes Lebewesen hat seinen Platz und seine Funktion.“

Winzige Gefährten. Wie Mikroben uns eine umfassende Ansicht vom Leben vermitteln. (Ed Young, Verlag Antje Kunstmann, 2018)
„Stellen wir uns einmal vor, alle Mikroorganismen auf der Erde würden plötzlich verschwinden. Der Vorteil wäre, Infektionskrankheiten würden der Vergangenheit angehören und auch viele Schadinsekten kämen nicht mehr über die Runden. Das war es dann aber schon mit den guten Nachrichten.“

Die Wurzeln der Welt. Eine Philosophie der Pflanzen. (Emanuele Coccia, Hanser Verlag, Erstveröffentlichung 2016)
„Sie (die Pflanzen) haben keine Hände, um sie an die Welt zu legen und doch ließen sich nur schwer Akteure finden, die sich bei der Konstruktion von Formen geschickter anstellen als sie.“

Unruhig bleiben. Die Verwandtschaft der Arten im Chthuluzän (Donna J. Haraway, Campus Verlag 2016)
„In dringlichen Zeiten ist es für viele verlockend, der Unruhe zu begegnen, indem sie eine imaginierte Zukunft in Sicherheit bringen. Dafür versuchen sie, am Zukunftshorizont Drohendes zu verhindern, aber auch Gegenwart und Vergangenheit beiseitezuräumen, um so für kommende Generationen Zukunft zu ermöglichen. Unruhig bleiben erfordert aber gerade nicht eine Beziehung zu jenen Zeiten, die wir Zukunft nennen. Vielmehr erfordert es zu lernen, wirklich gegenwärtig zu sein.“

Das Geschenk der Wildnis (Elli H. Radinger, Verlag Ludwig, 2020)
„Wildnis ist nicht immer das, was wir uns darunter vorstellen. Sie ist nicht Natur pur ohne Menschen und Gebäude. Sie ist überall. Im Wald, am Meer, in der Wiese vor der Haustür – und manchmal auch ganz nah, in uns selbst.“

Der Braune Bär fliegt erst nach Mitternacht. Unsere Naturschätze. Wie wir sie wiederentdecken und retten können. (Johanna Romberg, Quadriga 2021)
„Dieses Buch ist der Versuch, den Zwiespalt zwischen Liebe und Angst zumindest an einigen Stellen zu überbrücken. Herauszufinden, wie sich die Freude an der Vielfalt des Lebens bewahren lässt, ohne die Sorge um sie zu verleugnen – und damit eine Realität auszublenden, zu deren Erforschung ich mit meinen Vogelzählungen ja selber ein klein wenig beitrage.“

Die Macht der inneren Bilder. Wie Visionen das Gehirn, den Menschen und die Welt verändern. (Gerald Hüther, Vandenhoeck & Ruprecht, Erstveröffentlichung 2004)
„Es gibt innere Bilder, die Menschen dazu bringen, sich immer wieder zu öffnen, Neues zu entdecken und gemeinsam mit anderen nach Lösungen zu suchen. Es gibt aber auch innere Bilder, die Angst machen und einen Menschen zwingen, sich vor der Welt zu verschließen.“

Wie wir die Welt verändern. Eine kurze Geschichte des menschlichen Geistes (Stefan Klein, S. Fischer Verlag)
„Kreativität ist darum kein isoliertes Talent – sondern die Kunst, Gegensätze im Kopf zu vereinen. Ideen werden geboren, wenn es der Logik gelingt, die Träume zu reiten.“

Klima. Eine neue Perspektive. (Charles Eisenstein, Europa Verlag 2021)
„Die „neue Geschichte“, die Eisenstein vorschlägt, sieht die Welt als komplexen, sich immer weiter entwickelnden Organismus und den Menschen als ihren Diener, dessen Rolle darin besteht, alles Leben im großen Ganzen noch lebendiger zu machen (…) Ein radikaler, tiefenökologischer Ansatz, der die globale Krise als Initiation begreift: als existentielle Prüfung für die Menschheit, die über ihr eigenes Selbstbild herauswachsen und erwachsen werden muss, wenn sie heil aus diesem Übergang in eine neue Kultur herausfinden will. Eisenstein liefert keinen Rettungsplan, aber er justiert den Kompass neu.“
(FAZ, Buchbesprechung, Geseko von Lüpke, November 2019)

Quantenwirtschaft. Was kommt nach der Digitalisierung? (Anders Indset, Econ Verlag, 2019)
„(…)Deshalb brauchen wir umgehend eine weltweite Bewusstseinsrevolution. Wenn wir alle verstehen und akzeptieren, dass die Herausforderungen lebensbedrohlich sind, können wir unsere Erde noch retten und das Überleben unserer Spezies sichern – vielleicht!“

Sprache und Sein (Kübra Gümüşay, Hanser Verlag, 2020)
„Sprache in all ihren Facetten – ihr Lexikon, ihre Wortarten, ihre Zeitformen – ist für Menschen wie Wasser für Fische. Der Stoff unseres Denkens und Lebens , der uns formt und prägt, ohne dass wir uns seiner in Gänze bewusst wären.“

Die Entscheidung – Kapitalismus vs. Klima (Naomi Klein, S.Fischer Verlag)
„Damit sich dies (Anm. Denken) ändert, muss eine Weltsicht in den Vordergrund treten, die die Natur, andere Nationen und unsere eigenen Nachbarn nicht als Gegner, sondern als Partner in einem großen Projekt der gegenseitigen Neuerfindung sieht.“

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